Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
faschismus“, so sprechen andere von
Diktatur, autoritärem Ständestaat
(Wohnout) oder vom autoritären christ-
lichen Ständestaat/„Austrofaschismus“
(Hauch). Wünschenswert wäre eine
Begründung für die jeweilige Begriffs-
wahl. Das gilt auch für die Bezeichnung
des Herrschaftssystems als Experi-
ment (Schmit, S. 141).
Unklar im Beitrag von Thaler bleibt
aus meiner Sicht, inwiefern der Legiti-
mismus ein ernstzunehmender politi-
scher Akteur in der Zwischenkriegszeit
war und der Einfluss der legitimisti-
schen Bewegung in den Monaten vor
dem „Anschluss“ am Höhepunkt war.
Nicht nachvollziehbar ist die den Bei-
trag von Wohnout durchziehende,
nicht explizit ausgesprochene Grund-
these, dass Dollfuß im politischen Ver-
änderungsprozess im Wesentlichen
nur der Getriebene war: von Mussolini
und Hitler. Außer einem Hinweis auf
die Einschätzung des italienischen Ge-
sandten hat Wohnout keinen Beleg da-
für, dass die Wahlen am 5. März 1933
in Deutschland einen mitentscheiden-
den Faktor für das Einschlagen des au-
toritären Kurses in Österreich bildeten
(S. 611). Eine derartige Position resul-
tiert daraus, dass die innerösterreichi-
schen Voraussetzungen und Hinter-
gründe für die Entwicklung ab dem 4.
März 1933 überhaupt nicht berücksich-
tigt werden. Nach Wohnout war mit
dem Februar 1934 Dollfuß „endgültig
jener Rest an außenpolitischer Hand-
lungsfreiheit abhanden gekommen,
der ihm bisher noch geblieben war. Er
war enger denn je an Italien gekettet.“
Realiter trifft zu: Es war – wie auch Bin-
der in seinem Beitrag anspricht (einsei-
tige Bindung an Italien und Ungarn,
S. 585) – eine selbstgewählte Kette.
Ungeachtet dessen: Das von Wen-
ninger und Dreidemy formulierte Ker-
nanliegen und dessen breite Umset-
zung im vorliegenden Sammelband
stellt in der Literatur zum Austrofa-
schismus eine Innovation dar. Der
Band enthält eine Vielzahl interessan-
ter, informativer und kritisch reflektie-
render Beiträge. Die thematische Bün-
delung von Analysen und Forschungs-
ergebnissen ist für ForscherInnen glei-
chermaßen wie für Studierende von
großem Nutzen.
Emmerich Tálos
        

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