Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

Relation 3,8 gegen 5,1, Gini-Koeffizient 26,3 gegen 30,7), hat sich entge-
gen den Erwartungen jedoch weder in der EU-27 noch in Österreich nen-
nenswert verändert. In Deutschland hingegen ist die Quintilrelation (Fami-
lie mit 2 Kindern) von 3 auf 41/2 und die Armutsgefährdung von 12% auf
16% gestiegen. In Österreich hat sich die Armutsgefährung (nach Trans-
fers) in der Krise nicht verändert (12% der Bevölkerung), in der EU-27 ist
sie um 1/2 Prozentpunkt auf 17% gestiegen. Allerdings darf nicht überse-
hen werden, dass die Medien – und wohl auch die Bevölkerung – die Ver-
teilungslage deutlich kritischer sehen: Die Zahl der Sozialhilfeempfänger
wie der Obdachlosen hat auch in Österreich zugenommen, die Schere
zwischen Höchst- und Durchschnittseinkommen öffnet sich immer stärker,
und die Lohnquote sinkt.30 Dennoch zeigt die optimistische Einschätzung
der persönlichen Berufs- und Finanzlage (siehe weiter vorne), dass die
gefühlte Einkommenssicherheit des Durchschnittsösterreichers durch die
Krise nicht beeinträchtigt wurde, das Vertrauen in das soziale Netz somit
gehalten hat. Dazu dürften einige soziale Absicherungsmaßnahmen vor
und während der Krise beigetragen haben.
Insgesamt kann somit auch die Untersuchung der weithin unbestrittenen
Bestimmungsgründe der Lebenszufriedenheit bloß eine beschränkte Er-
klärung der günstigen österreichischen Entwicklung während der Krise lie-
fern. Unter den persönlichen Bestimmungsgründen haben sich Stabilität
der Ehen und Gesundheitszustand leicht verbessert, die sozialen Bezie-
hungen jedoch eher verschlechtert. Bei den ökonomischen Bestimmungs-
gründen liegt Österreich generell deutlich besser als die EU-27, und es
gab auch keine (statische erfasste) Verschlechterung in der Krise. Letzte-
res wäre natürlich eine gute Begründung dafür, dass sich auch die Le-
benszufriedenheit nicht verschlechtert hat; allerdings ist fraglich, wie weit
die relativ günstigen Daten der Statistik der Bevölkerung bewusst sind bzw.
in einer Situation geglaubt werden, in der die Medien voll Bedrohungs- und
Krisenrhetorik sind. Zumindest in der Frage der Einkommensverteilung wi-
derspricht die öffentliche Meinung den statistischen Daten offensichtlich.
4. Das zweistufige österreichische Optimismusgefälle
Interessanterweise lässt sich in Österreich eine Tendenz zu einem
zweistufigen Optimismusgefälle erkennen: Die persönliche berufliche und
finanzielle Lage wird günstiger eingeschätzt als die des Landes und die
Lage des Landes günstiger als die der EU oder gar der Welt. Deutlich stär-
ker als die EU-Bürger machen die Österreicher die EU für die wenig befrie-
digende Entwicklung verantwortlich: 41% sind der Meinung, die wirtschaft-
liche Zukunft des Landes wäre ohne EU günstiger,31 ohne dass allerdings
die EU-Politik deswegen für falsch gehalten würde: Denn trotz der breiten
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

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