Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

(iii) Die HFCS-Erbschaftsdaten belegen eine starke dynastische Bedeu-
tung des Erbens. Jene Haushalte, die selbst geerbt haben, verfügen
über einen deutlich überproportionalen Anteil am Nettovermögen.
Das eine Drittel der Erben verfügt über fast zwei Drittel des gesam-
ten Vermögens. Die Erben sind jene, die viel weitervererben und so
die Vermögenskonzentration vorantreiben. Dem Matthäus-Effekt
entsprechend gilt: Wer hat, dem wird gegeben. Wer mit Vorteilen ins
Leben startet, kann mit weiteren Privilegien rechnen.
Emanzipatorische Erbschaftssteuerideen werden nicht in die Familien-
falle tappen und das Vererben in der Familie über höhere Freibeträge oder
niedrigere Steuersätze besserstellen. Denn dies würde vermögende Fa-
milien unter dem ideologischen Deckmantel der Familienwerte privilegie-
ren. Die Klassenspezifika des Erbgeschehens sind evident.
Anmerkungen
1 Private Meinung der Autoren.
2 Siehe Marterbauer, Schürz (2007).
3 Cunliffe, Erreygers (2012).
4 Beckert (2013).
5 Siehe www.hfcs.at.
6 Schürz (2007), Fessler et al. (2010).
7 Kohli et al. (2006), Stutz et al. (2006), Szydlik (2004).
8 Slemrod und Kopczuk (2000).
9 Ein weiterer Grund ist der measurement error und der daraus resultierende „attenuation
bias“. In den HFCS-Daten wird bei einer Regression der Erbschaftswerte auf das Ver-
mögen ein Koeffizient kleiner als 1, aber größer als 0 geschätzt. Das heißt, die Erbschaf-
ten steigen mit dem Vermögen, aber der Wert der Erbschaften in Relation zum Vermö-
gen sinkt mit steigendem Vermögen. Auch wenn durch entsprechende IV-Methoden
Vermögen instrumentiert wird, um dem Problem des attenuation bias entgegenzuwir-
ken, bleibt der Koeffizient dennoch stabil kleiner als 1.
10 Arrondell et al. (1997).
11 Schürz (2013).
Literatur
Arrondel, L. A. Masson; Pestieau, P., Bequest and inheritance: empirical issues and
France – U.S. comparison, in: Erreygers, G.; Vandevelde, T. (Hrsg.) Is inheritance legiti-
mate (1997) 89-116.
Arrondel, L. A. Masson, Family transfers involving three generations, in: Scandinavian
Journal of Economics 103/3 (2001) 415-443.
Beckert, Jens, Unverdientes Vermögen. Soziologie des Erbrechts (Frankfurt am Main,
New York 2004).
Beckert, Jens, Erben in der Leistungsgesellschaft (Frankfurt am Main 2013).
Cunliffe, John; Erreygers, Guido (Hrsg.), Inherited Wealth, Justice and Equality (Abingdon
2012).
Davies, J. B.; Shorrocks, A.F., The Distribution of Wealth, in: Atkinson, A. B.; Bourguignon,
F. (Hrsg.), Handbook on Income Distribution, Bd. 1 (Amsterdam 1999).
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

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