Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

sen, was eine Person besitzt – ihre Arbeitskraft, Ressourcen und Einkom-
men.
Zweitens, Tauschberechtigungen („exchange entitlement mapping“)
umfassen alle wirtschaftlichen Möglichkeiten, die einem Individuum bei
gegebenem Eigentumsbündel für den Konsum offenstehen, beispielswei-
se Produktion oder Handel.
Drittens umfasst sein Ansatz zur Erklärung von Intrahaushaltsungleich-
verteilung ein Set an richtungsweisenden Merkmalen wie das „breakdown
well-being“, die wahrgenommenen Interessen („perceived interests“) und
die gefühlten Beiträge („perceived contributions“). Das „breakdown well-
being“ beschreibt die Stärke oder die Verwundbarkeit einer Person im
Aushandlungsprozess. Die wahrgenommen Interessen bezeichnen den
Wert, den eine Person seinem/ihrem Wohlergehen beimisst. Über die ge-
fühlten Beiträge zum Haushalt erklärt Sen, wie wesentlich und relevant
eine Person sein/ihr Eigeninteresse im Zuge einer Aushandlung ein-
schätzt. „Given other things if in the accounting of the respective outco-
mes, a person was perceived as making a larger contribution to the overall
opulence of the group, the collusive solution, if different, would be more fa-
vorable to that person.“16
Sen argumentiert, dass Frauen ihre Eigeninteressen oftmals weniger
wichtig nehmen, da ihre Identitäten eng mit den Interessen und dem Wohl-
ergehen des Haushaltes bzw. der Familie verknüpft sind. Dieses Überlap-
pen von persönlichen und Familieninteressen erhält die ungleiche Intra-
haushaltsverteilung von Entscheidungsmacht und Ressourcen. Außer-
dem verstärkt die systematische Minderwertschätzung von Beiträgen zum
Haushalt und Bedürfnissen von Frauen die geschlechtsspezifische Depri-
vation in Haushalten: Frauen haben weniger Entscheidungsmacht, weil
ihre Beiträge zum Haushalt weniger wertgeschätzt werden als jene von
Männern. Gleichzeitig wird durch diese Wahrnehmungen auch die Ent-
scheidungsmacht von Frauen außerhalb des Haushaltes definiert und
weist ihnen die Rolle als Zusatzverdienerin rein auf Basis ihres Ge-
schlechts zu. Dies wiederrum reduziert die Entscheidungsmacht von
Frauen im Haushalt und führt zu einer Minderwertschätzung ihrer Bedürf-
nisse sowie im Besonderen ihrer Beiträge zum Haushalt.17
2.4 Determinanten der Verhandlungsmacht von Frauen
Abgesehen von diesen vielfältigen Ansätzen zur Erklärung von Intra-
haushaltsverhandlungsprozessen, kritisieren feministische ÖkonomIn-
nen, dass Haushalte nach wie vor eine Art „Black Box“ in Bezug auf indivi-
duelle Präferenzen und die Rolle von Geschlecht und Geschlechterver-
hältnissen in Entscheidungsprozessen sind. Wie bereits herausgearbei-
tet, werden Individuen und Familien oftmals gleichgesetzt. Dies basiert auf
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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