Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

den Annahmen, dass Paare ihre Einkommen bündeln oder dass sie glei-
che Nutzenanteile haben, sowie auf der Annahme, dass es keine Unge-
rechtigkeiten in Haushalten gibt. Intrahaushaltsungleichverteilungen
wurden zu einem großen Teil auch deshalb ignoriert, weil die Familie bzw.
der Haushalt als private und nicht ökonomische Angelegenheit wahrge-
nommen wird.18 Diese Standardannahmen erweisen sich jedoch in der
Empirie als unrealistisch.19 Feministische Ökonominnen sehen es daher
als wesentlich an, diese vermeintlich „private“ Sphäre in den Mittelpunkt
zu rücken, um zu zeigen, wie deren Funktionieren die ökonomischen
Schlüsselvariablen wie Ausgaben, Arbeitskräfteangebot oder Humankapi-
talformation beeinflusst.20
Um ein besseres Bild von Haushalten – vor allem hinsichtlich ihrer Be-
deutung für die Ökonomie – zeichnen zu können, ist es nötig, die den
Haushalten inhärente Komplexität als gleichzeitige Produktions-, Kon-
sumtions-, Investitions- und Reproduktionseinheit sowie als Einheiten der
zwischenmenschlichen Zusammengehörigkeit zu erfassen. Diese Kom-
plexität erhöht sich durch die unterschiedlichen und variierenden Präfe-
renzen und Interessen der einzelnen Familienmitglieder sowie deren un-
terschiedliche Möglichkeiten, ihre Präferenzen und Interessen durchzu-
setzen. Daher ist der Haushalt aus einer feministischen Perspektive nicht
nur als Ort der Entscheidungsfindung zu betrachten, sondern auch als Ort
der Entstehung und Verfestigung von Verteilungs(un)gerechtigkeit zu ver-
stehen.21
Feministisch heißt dementsprechend im Kontext der Intrahaushaltsver-
teilung, dass Haushaltsmitglieder nicht als unabhängige Individuen be-
trachtet werden können, sondern dass ihr (soziales) Geschlecht die we-
sentliche strukturierende Kategorie ist. Feministische Analysen, die
herausfinden wollen, wer warum wie viel Entscheidungsmacht und Res-
sourcen innerhalb eines Haushaltes zur Verfügung hat, müssen demge-
mäß die „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ der Haushaltsmitglieder in den
Blick rücken. Soziale Normen sind von großer Bedeutung, denn sie defi-
nieren wesentlich, wie sich Haushaltsmitglieder verhalten. Die soziale und
kulturelle Konstriktion von vermeintlich angemessenen männlichen und
weiblichen Verhalten beeinflusst deren Entscheidungsmacht im Haus-
halt.22
Die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in der Entscheidungsfin-
dung können jedoch zumeist nicht gänzlich eindeutig identifiziert werden:
„The actual process of shopping and deciding whether broccoli or cauliflo-
wer is the best buy is a routine, time consuming and occasionally tedious
task. If there are inequalities between spouses, one manifestation of the
inequality may be that the more powerful spouse is able to delegate the
more tiresome aspects of shopping while maintaining control over deci-
sions.“23 Dies wird auch als Inszenierungsmacht („orchestration power“)
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Wirtschaft und Gesellschaft 39. Jahrgang (2013), Heft 3
        

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