Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2013 Heft 3 (3)

beschrieben. Hierbei verfügt ein Teil des Paares über die Macht, wichtige
und unregelmäßige Entscheidungen, die die wesentlichen Charakteristika
des Haushaltes ausmachen, selbst zu treffen und unwichtige, zeitaufwän-
dige und tägliche Entscheidungen an die zweite Person zu delegieren. Ab-
gesehen davon zeigt sich die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung auch
bei der Entscheidungsfindung: Ausgaben für Essen, Haushaltsartikel,
Kleidung oder Geschenke erweist sich oftmals als Frauenaufgabe, wäh-
rend finanzielle Entscheidungen wie die über Versicherungen oder Kredite
typisch männliche Aufgaben sind.24
Bislang konnte auch von feministischer Seite noch nicht klar herausge-
arbeitet werden, wie (finanzielle) Entscheidungen in der „Black Box“ Haus-
halt tatsächlich vor sich gehen und wer warum wie viel Entscheidungs-
macht hat. Entscheidungsmacht aus einer feministischen Perspektive
umfasst jedenfalls aber eine Reihe von Faktoren: „some quantifiable, such
as individual economic asset, others less so, such as communal/external
support systems or social norms and institutions, or perceptions about
contributions and needs“.25
3. Empirische Betrachtungen der Entscheidungsmacht
innerhalb von Haushalten: Hypothesen
Wie die Aushandlungsmodelle gezeigt haben, wird die Entscheidungs-
macht einer Person traditionellerweise über ihre Ressourcen gemessen:
ihre (bezahlte) Arbeitskraft, Erwerbs- und Nichterwerbseinkommen,
Transferzahlungen und ihr Vermögen. Auch der Bildungsabschluss einer
Person kann als eine Ressource angesehen werden, die zu ihrer Ent-
scheidungsmacht beiträgt.26 Sen (1990) fokussierte beispielsweise auf die
Erwerbsbeteiligung von Frauen und Alphabetisierung, da er beides als die
wesentlichen Mittel zur Stärkung der Entscheidungsmacht von Frauen in-
nerhalb des Haushaltes sah. Andere, wie beispielsweise Osmani (2007),
beobachteten die Entscheidungsmacht von Mikrokreditnehmerinnen in
Bangladesch anhand der folgenden Indikatoren: Besitz (Vermögen und
Landbesitz), Alter, Ausbildungsgrad und Anzahl der Kinder. Eine der um-
fangreichsten Arbeiten zu möglichen Indikatoren, um weibliche Entschei-
dungsmacht in Ländern des Südens zu beobachten und zu messen, dis-
kutiert die Rolle von Einkommen und Beschäftigung (Erwerbs- und Nicht-
erwerbseinkommen, Beschäftigungsstatus, Migrationsstatus), Besitz
(derzeitiges Vermögen, ebenso wie das Vermögen, das in die Ehe ge-
bracht wurde), Humankapital (Ausbildung) im Rahmen von Intrahaus-
haltsentscheidungsfindung, aber auch die Rolle von Wissen und Einstel-
lungen (über Gesetze, Möglichkeiten, Rolle von Frauen, soziale Rollen
etc.).27
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39. Jahrgang (2013), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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