Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft

42. Jahrgang (2016), Heft 4

herstellung <75>) bis +2% (Präzisions-, Kunsthandwerker, Drucker
<73>).
Bei den Hilfsarbeitskräften (Hauptgruppe <9>, weiße Balken) schließlich
stimmten die mittleren Lohndifferenziale von Frauen (–29%) und Männern
(–28%) fast überein. Selbst bei den gering Qualifizierten war die Spannweite der berufsgruppenbezogenen Lohndifferenziale jeweils sehr groß,
erreichte bei den Männern nahezu 30 PP, nämlich zwischen dem Reinigungspersonal (<91>, –42%) und den Abfallentsorgungsarbeitern (<96>,
–13%), und bei den Frauen 11 PP, und zwar zwischen den Hilfskräften in
der Nahrungsmittelzubereitung (<94>, –34%) und den Hilfsarbeiterinnen
in Bau, Warenherstellung und Transportwesen (<93>, –23%).
Fassen wir zusammen: Ganzjährig vollzeitbeschäftigte Unselbstständige mit gleichem Bildungsgrad erzielten erstens in Abhängigkeit von Geschlecht und Beruf sehr unterschiedliche Bruttojahreseinkommen, und ein
weiteres differenzierendes Merkmal, nämlich die Branchenzugehörigkeit,
ist hier noch gar nicht berücksichtigt. Zweitens entsprechen die nach dem
Medianeinkommen geordneten Berufshierarchien in Abbildung 6 zwar im
Großen und Ganzen jeweils der Abfolge der Bildungsstufen (tertiärer Abschluss – Matura – Lehre oder BMS – Pflichtschule), aber keineswegs
durchgängig. Mit anderen Worten: Es gibt sowohl bei den Frauen als auch
bei den Männern Berufsgruppen, deren Medianeinkommen höher ist als
jenes von Berufsgruppen der nächsthöheren Bildungsstufe, bspw. Berufsgruppen von Hilfsarbeitskräften, die ein höheres mittleres Einkommen erzielten als einige mittel qualifizierte Angestellten- und Fertigungsberufe,
und mittel qualifizierte Angestelltenberufe, die ein höheres mittleres Gehalt aufwiesen als einige Fachkräfteberufe auf Maturaniveau.

4.2 Zunahme der Ungleichheit der Lohn- und Gehaltseinkommen
der unselbstständig Beschäftigten
In Österreich ist die Ungleichheit der Lohn- und Gehaltseinkommen der
unselbstständig Beschäftigten in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegen,
wie Glocker et al. (2014) anhand der Daten der Lohnsteuerstatistik belegen. Die dort verwendeten Verteilungsindikatoren sind die Quintilanteile
und der Gini-Koeffizient.
Tabelle 3 zeigt die Veränderung der Verteilung der lohnsteuerpflichtigen
Einkommen (Bruttojahreseinkommen) zwischen 1995 und 2012 anhand
der Prozentanteile der Quintile an der Gesamtsumme der Löhne und Gehälter. Einbezogen sind hier die Bruttojahreseinkommen aller unselbstständig Beschäftigten, von den unterjährig Teilzeitbeschäftigten bis zu
den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten.
Die Lohn- und Gehaltseinkommen der Gesamtheit der unselbstständig
Beschäftigten sind sehr ungleich verteilt, und diese Ungleichheit hat sich
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