Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2016 Heft 4 (4)

42. Jahrgang (2016), Heft 4

Wirtschaft und Gesellschaft

2.2 Intergenerationelle Bildungsmobilität: empirische Befunde
für Österreich im Überblick
Langfristig ist das Bildungsniveau, gemessen an der höchsten abgeschlossenen Ausbildung, in Österreich stark gestiegen, insbesondere seit
den hohen öffentlichen Bildungsinvestitionen während der „Bildungsrevolution“ der 1960er- und 1970er-Jahre.2
Dennoch besteht weiterhin ausgeprägte intergenerationelle Bildungspersistenz fort: Das Bildungsniveau der Eltern bestimmt nach wie vor in
hohem Maße das Bildungsniveau der Kinder. Anders ausgedrückt: Je
höher das Bildungsniveau der Eltern ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder eine höhere Bildung abschließen.3
Altzinger et al. (2013) belegen die hohe intergenerationelle Bildungspersistenz in Österreich auf der Grundlage einer Sonderbefragung im Rahmen der EU-SILC-Erhebung 2011. Befragt wurden dabei Personen im
Alter zwischen 25 und 59 Jahren (also der Geburtenjahrgänge 1951 bis
1985) über ihre höchste abgeschlossene Bildung und jene der Eltern.
Kinder aus Akademikerelternhäusern erreichten im Durchschnitt zu 54%
selbst auch einen Universitätsabschluss, und nur 4% der Kinder mit derartig bildungsaffinem Hintergrund wiesen einen Pflichtschulabschluss aus.4
Hingegen erreichten nur 6% der Kinder aus eher bildungsfernen Elternhäusern (maximal Pflichtschule) einen tertiären Bildungsabschluss, aber
30% dieser Kinder schlossen wie ihre Eltern nur die Pflichtschule ab.
Werden lediglich die Befragungsergebnisse der jüngeren Alterskohorte
(Jahrgänge 1965 bis 1985) in Betracht gezogen, so zeigt sich, dass trotz
des allgemeinen Bildungsanstiegs (Pflichtschulanteil nur noch 27% gegenüber 48% in der älteren Kohorte der Jahrgänge 1951 bis 1964, Hochschulanteil bereits 11% gegenüber 4%, Maturaanteil 11% gegenüber 7%) die Bildungspersistenz zwischen den Generationen innerhalb der vier nach ihrem
Bildungsabschluss unterschiedenen Personengruppen aber jeweils fast unverändert blieb: Nach wie vor war die Wahrscheinlichkeit für Kinder, deren
Eltern maximal eine Pflichtschule oder eine Lehre bzw. BMS absolviert
hatten, einen tertiären Bildungsabschluss zu erreichen, äußerst gering.
Schneebaum et al. (2015) berücksichtigen in ihrer auf derselben Datengrundlage (EU-SILC 2011) beruhenden Untersuchung auch das Merkmal
Geschlecht. Sie gelangen zu dem Ergebnis, dass die intergenerationelle
Bildungspersistenz bei Töchtern noch höher ist als bei Söhnen. Mit anderen Worten, die Bildungsmobilität von Söhnen ist höher, und zwar möglicherweise deshalb, weil sie mehr materielle und immaterielle (v. a. Zeit der
elterlichen Zuwendung für Bildungszwecke) Ressourcen für ihre Erziehung und Bildung erhalten. Töchter werden in hohem Maße von einer tertiären Ausbildung der Mutter begünstigt, ganz entsprechend der These
der Vorbildfunktion.
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