Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

keit keinen Einfluss auf unternehmensbezogene Entscheidungen, selbi-
ges gilt für ein Drittel und damit für signifikant weniger Beschäftigte in der
Zone der Integration.
Wird der Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern als Gradmesser für die
Stärke der kollektiven Interessenvertretung einer Beschäftigtengruppe he-
rangezogen, erweist sich die Vertretung der Beschäftigten in der Zone der
Verwundbarkeit als wesentlich schwächer als jene der Beschäftigten in
der Zone der Integration: Während in Letzterer jede/r Dritte Mitglied einer
Gewerkschaft ist, trifft dies nur auf rund jede/n Fünften in der Zone der Ver-
wundbarkeit zu.
4.3 Auswirkungen auf die politische Kultur
Der Begriff politische Kultur bezeichnet die Gesamtheit aller Orientierun-
gen der Bevölkerung gegenüber dem politischen System – darunter fallen
Werte, Einstellungen, Bewertungen und auch Handlungen. Neben dem
Verhältnis der Bevölkerung zum politischen System befasst sich die For-
schung zur politischen Kultur auch mit den Wechselwirkungen zwischen
Bevölkerung und System (siehe Westle [2009], Pickel & Pickel [2006]).
Dass mangelnde Integration in gesicherte Erwerbsarbeit und stabile so-
ziale Netze auch an der politischen Kultur bzw. der Integration in das politi-
sche System nicht spurlos vorübergehen, hat die bisherige Forschung v. a.
in Zusammenhang mit dem Anstieg von Autoritarismus und Rechtspopu-
lismus aufgezeigt (Abschnitt 2.3). Im Folgenden wird dieser Blick etwas er-
weitert, und Zusammenhänge zwischen den drei Zonen der gesellschaftli-
chen Integration und unterschiedlichen Aspekten von politischer Kultur wer-
den vorgestellt. Dabei stehen die Wahrnehmungen der Menschen in Bezug
auf das politische System und die eigene Rolle in diesem System im Fokus.
4.3.1 Operationalisierung von politischer Kultur
Der ESS 7 erfasst zahlreiche Aspekte von politischer Kultur: die Zufrie-
denheit mit der Demokratie im Land sowie die Zufriedenheit mit der Bun-
desregierung, das Vertrauen in staatliche Institutionen, politische Selbst-
wirksamkeit, politisches Interesse, die Bewertung des Interesses der
PolitikerInnen für ihre WählerInnen, die Einschätzung der Mitsprachemög-
lichkeiten im politischen System und politische Partizipation. Diese Aspek-
te wurden in einem ersten Schritt einer Faktorenanalyse25 unterzogen, um
mögliche gemeinsame, ihnen zugrundeliegende Dimensionen aufzuspü-
ren. Drei solcher Dimensionen konnten identifiziert werden:
Die erste Dimension bezieht sich direkt auf das politische System und
beinhaltet die Zufriedenheit mit der aktuellen Ausgestaltung der Demokra-
tie im Land und das Vertrauen in unterschiedliche politische bzw. staatli-
che Institutionen und AkteurInnen (Parlament, politische Parteien, Politi-
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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