Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

Die österreichische Finanzkrise
Rezension von: Fritz Weber,
Vor dem großen Krach. Österreichs
Banken in der Zwischenkriegszeit
am Beispiel der Credit-Anstalt für Handel
und Gewerbe, Böhlau, Wien 2016,
592 Seiten, gebunden, A 60;
ISBN 978-3-205-78790-7.
Vor- und Nachworte
Dem Buch vermittelt schon durch
das von Hannes Androsch verfasste
Vorwort einen besonderen Akzent. Da-
rin beschäftigt sich der Verfasser näm-
lich nicht nur mit hervorstechenden his-
torischen Problemen, wie etwa dem
Schicksal des Finanzministers Bruck,
welcher sich für die Überwindung der
österreichischen Schutzzoll-Mentalität
exponierte, sondern vermittelt auch In-
formationen aus persönlicher Erfah-
rung als CA-Generaldirektor, wie etwa
die Ablösung des patriarchalischen
Führungsstils, die Verbreiterung der
Kundenbasis oder die Sanierung der
Konzernbetriebe. Die CA gehörte zu
den Pionieren der Ostöffnung, da sie
bereits vor der Wende daranging, Re-
präsentanzen in dieser Region zu eta-
blieren. Den Verkauf des Institutes und
dessen Folgen hatte Androsch nicht
mehr zu verantworten.
Auf dessen Anregung hin verfasste
Herbert Matis, der Herausgeber der
Böhlau-Reihe „Studien zur Wirt-
schaftsgeschichte und Wirtschaftspoli-
tik“, in welcher die Arbeit Webers er-
scheint, als Nachwort einen kompak-
ten, jedoch umfassenden und instrukti-
ven Überblick über die gesamte Ge-
schichte der CA. Die Darstellung setzt
mit der durch die Kooperation zwi-
schen Hocharistokratie und jüdischen
Bankiers zustande gekommenen
Gründung des Instituts ein, legt dessen
wachsende nationale wie internationa-
le Bedeutung dar und setzt sich dann
auch mit den Problemen als Folge des
Ersten Weltkriegs und des Zerfalls der
Habsburgermonarchie auseinander.
Nach Krise und Stabilisierung wurde
die CA als Folge des „Anschlusses“
germanisiert. Matis schildert ihre Wie-
dergeburt und Erfolgsgeschichte, die
schließlich durch politisch wie persön-
lich motivierte Eigentümerwechsel
nach einem bayrischen Zwischenspiel
in Italien endete. „Nach mehr als 152
Jahren fand damit ein prominentes Ka-
pital der österreichischen Wirtschafts-
geschichte ein unrühmliches Ende.“
Aus der Katastrophe
zur Normalität
Der Titel der vorliegenden, umfas-
senden Studie führt eigentlich in die
Irre. Denn Weber analysiert keines-
wegs nur die Periode vor dem fakti-
schen Zusammenbruch der Credit-An-
stalt, sondern die gesamte Zwischen-
kriegszeit. Natürlich ist er dafür in ho-
hem Maße geeignet, als er sich seit
vielen Jahren diesem Thema intensiv
gewidmet hat – allein sowie in Zusam-
menarbeit mit anderen namhaften
Wirtschaftshistorikern. So verweist der
Autor auf seine enge Kooperation mit
Eduard März, welche ihren Nieder-
schlag in der Arbeit „Österreichische
Bankpolitik in der Zeit der großen Wen-
de. Am Beispiel der Credit-Anstalt für
Handel und Gewerbe“ (1981) fand so-
wie in diesem Rahmen auch mit Hans
Kernbauer.
Die Wirtschaft des heutigen Bundes-
gebiets sah sich nach 1918 einer kata-
strophalen Situation gegenüber. Da
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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