Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

Wege zur Moderne
Rezension von: Sebastian Conrad, Jürgen
Osterhammel (Hrsg.), Geschichte der
Welt 1750-1870. Wege zur modernen
Welt, C. H. Beck, München 2016,
1.002 Seiten, gebunden, A 49,95;
ISBN 978-3-406-64104-6.
Der vorliegende Band ist der in chro-
nologischer Hinsicht vierte der von C.
H. Beck und Harvard University Press
publizierten sechsbändigen „Ge-
schichte der Welt“. Seine beiden He-
rausgeber (und Mitautoren) sind aus-
gewiesene Fachleute für die Geschich-
te der Globalisierung: Von Sebastian
Conrad (Freie Universität Berlin) er-
schien 2013 „Globalgeschichte: Eine
Einführung“, und Jürgen Osterhammel
(Konstanz) veröffentlichte 2009 mit
„Die Verwandlung der Welt“ eine preis-
gekrönte Geschichte des 19. Jahrhun-
derts1 und 2012 (mit Niels P. Peters-
son) „Geschichte der Globalisierung“.
Geänderte Gliederung
Der behandelte Zeitraum von 1750
bis 1870 war eine Epoche des grundle-
genden Umbruchs und des Über-
gangs: Die Erste Industrielle Revoluti-
on veränderte zwar in diesem zeitli-
chen Intervall nur das Leben einer Min-
derheit der Menschen, ihre Auswirkun-
gen erwiesen sich aber als nachhaltig
und sollten in der Folge die gesamte
Menschheit betreffen.
Im letzten Drittel des 19. Jh. waren
viele Merkmale heutiger Globalisie-
rung bereits erkennbar: Massenwan-
derungen, schnelle Telekommunikati-
on, interkontinentaler Handel mit
Rohstoffen und Agrarprodukten in gro-
ßen Mengen, Auslandsinvestitionen,
grenzüberschreitende Standardisie-
rungen, Ausbreitung politischer Ord-
nungsvorstellungen wie z. B. des Ver-
fassungsgedankens, Expansion von
Weltreligionen, Aufbau globaler Wis-
senschaftsbeziehungen usw.
Aufgrund der generellen Intensivie-
rung der Kontakte zwischen den Konti-
nenten, insbesondere der wirtschaftli-
chen, territorialen und ideenbezoge-
nen Integrationsvorgänge zwischen
Regionen und Kontinenten während
des Beobachtungszeitraums rücken
für HistorikerInnen, die sich mit Welt-
geschichtsschreibung befassen, inter-
regionaler und interkontinentaler wirt-
schaftlicher Handel, die weltumspan-
nende Integration von Märkten, die
grenzüberschreitende Mobilität, inter-
nationale Beziehungen, die großen Im-
perien und ihre weitgespannten Netze
territorialer Besitzungen, die kulturel-
len Anleihen und Übersetzungsprozes-
se sowie die Entfaltung globaler Be-
wusstseinsformen in den Vordergrund.
Von besonderem Interesse für die Au-
toren des vorliegenden Bandes sind
daher Vergleiche zwischen den Ent-
wicklungen in unterschiedlichen Regio-
nen, die Sichtbarmachung von Quer-
verstrebungen, Kontaktstellen, Aus-
tausch, Vernetzung, globalen Zusam-
menhängen und Tendenzen. In wel-
chem Maße reagierten Gesellschaften
auf globale Herausforderungen, inwie-
fern waren Ereignisse und Prozesse
von überschaubarer Reichweite auch
Effekte globaler Integration?
Dies sind die Gründe, welche die He-
rausgeber des Bandes zu einer vom
chronologisch vorhergehenden Band
(„Weltreiche und Weltmeere“, 1350-
17502) abweichenden Gliederung ver-
anlassten und dazu bewegten, den
Versuch zu unternehmen, einer Quer-
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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