Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

die Wahl der FZO. Sowohl Frauen als auch Männer geben häufig an, die
FZO für gemeinsame Tätigkeiten mit Kindern und Familie zu verwenden.
Wie bereits erwähnt, wird die FZO vor allem an schulautonomen Tagen
oder während der Schulferien häufig konsumiert.
Wirft man einen genaueren Blick auf die Aussagen der Interviewpartne-
rInnen, so werden jedoch klare Unterschiede zwischen Frauen und Män-
nern deutlich. So legen die Interviewaussagen eine vornehmlich traditio-
nelle Rollenverteilung nahe. Während weibliche Beschäftigte Beruf und
Betreuungspflichten leichter unter einen Hut bringen können, ermöglicht
die FZO Männern, mehr gemeinsame Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Bei Männern geht es hierbei nicht so stark um den Druck, die erforderli-
chen Kinderbetreuungszeiten abzudecken, sondern vielmehr darum,
„mehr Zeit mit dem Kind zu haben“.
So meint ein Arbeiter, der Vater eines sechsjährigen Sohnes ist:
„Der Gedanke war bei mir einfach, ein bisschen mehr Freizeit zu haben
[…], weil ich einen Sohn in relativ jungem Alter habe und ich mir vorgestellt
habe, dass ich da vielleicht ein bisschen mehr Zeit habe. […] Wenn ich keine
Familie hätte, hätte ich es [Anm.: die FZO] mir wahrscheinlich auch nicht ge-
nommen.“ (IP-13)
Ein Angestellter, dessen Frau nur geringfügig arbeitet, gibt an, dass er
sich während den Schulferien stets frei nimmt und viel gemeinsam mit der
Familie unternimmt.
„Also wir machen schon viel gemeinsam, auch mit Urlaub und so, das geht
sich dann schon gut aus. […] Das heißt, ich bin jedenfalls immer zu Weih-
nachten, in den Semesterferien, zu Ostern und im Sommer daheim.“ (IP-9)
Diese Aussagen verdeutlichen, dass die FZO von Männern durchaus
dafür genutzt wird, um mehr am Familienleben teilzunehmen. Allerdings
lassen die Aussagen darauf schließen, dass es hier nur am Rande um die
Übernahme regelmäßiger Betreuungsleistungen geht, sondern vielmehr
um gemeinsame Freizeitaktivitäten. Für einen Großteil der befragten
Frauen hingegen bedeutet die FZO eher eine Entlastung in der Koordinati-
on von Haushalt, Kinderbetreuung und Berufsleben.
„Ich kann dann eben flexibel sagen, ich muss da jetzt hin. Falls wir jetzt
dann Pflege brauchen irgendwann, dass ich mir noch einen Tag frei nehmen
muss oder am Montag später kommen muss oder so. […] Weil es ist für eine
Hausfrau und Mutter schon eine Belastung, 38,5 Stunden plus eben die
Weihnachtszeit einbringen oder eben irgendein Ding, wo man doch früher
zur Schule muss, Kind abholen oder Wege erledigen muss.“ (IP-11)
Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden auch deutlich,
wenn es um die Inanspruchnahme der FZO geht. So tendieren Frauen
dazu, die FZO regelmäßig zu konsumieren, während Männer eher anspa-
ren, beispielsweise für einen früheren Pensionsantritt. Weibliche Befragte
begründen dies damit, dass es für sie oft schlicht und einfach nicht möglich
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43. Jahrgang (2017), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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