Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

Die Kollektivvertragspartner sind darin einig, die Möglichkeiten der Bil-
dungskarenz insbesondere bei Wiedereinstieg in eine berufliche Tätigkeit
vorzusehen.
Bestehende Kündigungsschutzbestimmungen sollen dabei auch während
der Bildungskarenz aufrecht erhalten werden.
Der Arbeitgeber soll Anträge der Arbeitnehmer auf Bildungskarenz geneh-
migen und eine entsprechende Vereinbarung abschließen, wenn das be-
triebliche Interesse nicht nachteilig berührt wird und aufgrund der Ausbil-
dung eine Gewähr dafür besteht, dass die facheinschlägige Weiterbildung
im Unternehmen verwendbar ist.
In diesem Fall soll das Unternehmen nach einer zu vereinbarenden Wei-
terverwendungszeit allfällig aufgelaufene Kosten für Sozialversicherung und
sonstige Aufwendungen im Zusammenhang mit der Bildungskarenz über-
nehmen. Unter diesen Voraussetzungen soll die Karenzzeit auch bei An-
sprüchen, die sich nach der Dienstzeit richten, angerechnet werden.“72
Auch im Kollektivvertrag der Diözese Graz-Seckau wird bestimmt, dass
den Angestellten durch die Bildungskarenz nach § 11 AVRAG die berufli-
che Fort- und Weiterbildung ermöglicht werden soll, ohne dadurch das Ar-
beitsverhältnis beenden zu müssen.73
Andere Bestimmungen zur Bildungskarenz als die zuvor beschriebene
kommen nur in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen (Q) und
Sonstige Dienstleistungen (S) vor. Auffällig ist, dass die Kollektivverträge
der Sozialversicherungsträger Österreichs74 und der Krankenfürsorgean-
stalt der Bediensteten der Stadt Wien75 eine Vielzahl von Bestimmungen
zur Bildungskarenz enthalten. Während in anderen Branchen die Bil-
dungskarenz in einem Kollektivvertrag max. zwei Erwähnungen findet,
gibt es in diesen Kollektivverträgen bis zu 16 Bestimmungen. Hauptsäch-
lich beschäftigen sich diese Bestimmungen mit der Anrechenbarkeit der
Zeiten einer Bildungskarenz auf die Dienstzeit und den damit zusammen-
hängenden Abfertigungsansprüchen und dem Anspruch auf Sonderur-
laub. Außerdem hemmen die Zeiten einer Bildungskarenz den Lauf man-
cher Fristen, wie zum Beispiel die Frist zur Erlangung des erhöhten
Kündigungsschutzes76 oder die Frist zur Ablegung von Prüfungen.77
7.3 Bildungsfreistellung
Ein Thema, welches häufig kollektivvertraglich geregelt wird, ist die ver-
pflichtende Gewährung von Bildungsfreistellungen oder Bildungsurlau-
ben, deren Dauer je nach Kollektivvertrag zwischen drei Tagen und einem
Jahr (Freijahr) liegen kann. Die am häufigsten vorkommende Bestimmung
zur Bildungsfreistellung sieht vor, dass ArbeitnehmerInnen zum Zwecke
der Prüfungsvorbereitung auf Verlangen bis zu zwei Wochen pro Jahr an
unbezahlter Freizeit in Anspruch nehmen können, wenn sie einer fachein-
schlägigen Weiterbildung an einer berufsbildenden mittleren oder höheren
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Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

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