Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

WEITERE HAUPTARTIKEL
Wie könnte „gute“ Globalisierung
aussehen?
Kurt Bayer
1. Globalisierung verändert sich durch neue Technologien
Unter Globalisierung sind der grenzüberschreitende Warenaustausch,
globale Finanzströme, grenzüberschreitende Investitionen (Direktinvesti-
tionen) sowie die Freizügigkeit von Personen zu verstehen. Die „vier Frei-
heiten“ des EU-Binnenmarktes sind Ausdruck einer regionalisierten Glo-
balisierung.
Handel zwischen Ländern bedeutete lange Zeit Fortschritt (die Handel
treibenden Länder wuchsen rascher als ohne Handel) durch die Wohl-
fahrtssteigerungen, die durch den grenzüberschreitenden Verkehr von
Waren und Dienstleistungen mit vollständigen Produkten ermöglicht wur-
den. Diese Art von Handel machte auch die erste Globalisierungswelle
aus, die mit dem Ersten Weltkrieg endete. Nach dem Zweiten Weltkrieg
setzte sich die Globalisierung wieder fort. Diese Welle wurde charak-
terisiert dadurch, dass das exportierende Land bzw. seine Unternehmun-
gen den vollständigen skill-mix und die Technik für die Herstellung eines
Endproduktes besaßen, also die gesamte Wertschöpfungskette in einer
Hand, vielfach unter einem Dach war. (Die Nicht-Industrieländer lieferten
im Gegenzug Rohstoff- oder Agrarprodukte.) Die zweite Welle der Globali-
sierung, die etwa Mitte der Achtzigerjahre einsetzte und bis heute andau-
ert (wenn auch offenbar in den letzten Jahren etwas schwächer), macht
durch die extreme Verbilligung von Transportkosten, gepaart mit den mo-
dernen Kommunikationsmitteln die grenzüberschreitende Zerlegung von
Produktionsprozessen möglich. Damit werden globale Wertschöpfungs-
ketten aufgebaut, wobei die einzelnen Produktionsschritte je nach Arbeits-
kosten, Energie- und anderen Kosten, verfügbaren Arbeitskräften und
Know-how in den jeweils „optimalen“ Standort verlegt werden.
Baldwin (2016) argumentiert, dass diese „neue Globalisierung“ oder
„Hyper-Globalisierung“ weniger durch den Handel von Produkten als
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43. Jahrgang (2017), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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