Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2017 Heft 2 (2)

re Handelsschranken oder etwa punitive Maßnahmen bei aktiven Direktin-
vestitionen (angedroht von Donald Trump) zu umgehen. Dabei wie früher,
als Auslagerungen begannen, auf Gewerkschaftsmacht als Interessen-
vertretung der Arbeitnehmer in den Industrieländern allein zu bauen, ist
sinn- und wirkungslos, da diese insgesamt geschwächt sind, aber auch
versäumt haben, einen großen Teil der „Wissensarbeiter“ zu organisieren.
Daher sind sie auch intern gespalten. Zwar sind unterschiedliche Interes-
sen innerhalb der Arbeitnehmerschaft nichts Neues (man denke in Öster-
reich an Interessenkonflikte zwischen Arbeitnehmern des Energiesektors
und der energieverbrauchenden Sektoren, zwischen jenen des Finanz-
und Realsektors etc.), doch ist Spaltung in einer Situation der Schwäche
der Arbeitnehmervertretungen besonders gravierend.
Es bedarf daher auch des Drucks großer Teile der Zivilgesellschaft, ei-
nerseits Druck auf „Kostenwahrheit“ der Transport- und Umweltkosten
des Handels auszuüben, die Regierungen dazu zu bringen, Unterneh-
mungen zur Offenlegung über die Lukrierung der Gewinne der Globalisie-
rung je Land zu bringen, Steuervermeidung und „aggressive Steuerpla-
nung“ zu verhindern, adäquate Steuerleistungen von allen am Wirt-
schaftsprozess Beteiligten einzufordern, und viele der „Freihandel“ propa-
gierenden Dogmatiken in ihren Auswirkungen offenzulegen und darauf
globale und heimische Politikvorschläge aufzubauen. Dies wird zwar nicht
die Informationsflüsse innerhalb globaler Wertschöpfungsketten verhin-
dern – und damit den gesamten Produktionsprozess wieder in das Land
des Firmensitzes verlagern können, aber es wird die Voraussetzungen
schaffen, die „Wissensbesitzer“, also Unternehmer und die hoch qualifi-
zierten Wissensarbeiter, so zu besteuern, dass sie nicht wie bisher den
größten Teil der dadurch geschaffenen Produktivitätsgewinne einstecken.
Es geht dann darum, diese höheren Steuereinnahmen aus der Globalisie-
rung dazu zu verwenden, einerseits aktive Bildungs- und Arbeitsmarkt-
maßnahmen zur Umschulung zu finanzieren, aber andererseits jene, die
aus dem Arbeitsprozess gänzlich herausfallen (oder nie in ihn hineinkom-
men) so zu versorgen, dass ihre materielle Überlebensfähigkeit und damit
ihre gesellschaftliche Akzeptanz sichergestellt sind. Konkret heißt dies
neben Schulungen und besserer Ausbildung Ausbau des Wohlfahrtsstaa-
tes.
8. Österreichs Rolle in der Globalisierung
Österreich als kleine offene Volkswirtschaft mit überwiegend „mittlerem“
Technologieniveau,29 ist überwiegend „Nehmer“ innerhalb der globalen
Wertschöpfungsketten, d. h. Zulieferer von Komponenten für die europäi-
sche Automobil-, Maschinen- und Elektronikindustrie. Es kann aufgrund
252
Wirtschaft und Gesellschaft 43. Jahrgang (2017), Heft 2
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.