Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2018 Heft 2 (2)

um Ungleichheit erscheint jene um Umverteilungsmaßnahmen eher mar-
ginalisiert und mündet kaum in Zustimmung (siehe Kapitel 3.3 für das
„Framing“ der Umverteilungsmaßnahmen). Dies steht im wesentlichen
Widerspruch zu Pikettys Buch und seinen weiteren Ausführungen sowie
Interviews, in denen er immer wieder eine höhere Einkommens- und Ver-
mögensbesteuerung einfordert.
3.2 Meritokratie, die Wachstumsfrage, soziale Spannungen:
Die Problematisierung ökonomischer Ungleichheit
Im Folgenden wird in Tabelle 3 ein Überblick über die häufigsten Kate-
gorien24 gegeben, auf die bei der Behandlung der Ungleichheitsthematik
eingegangen wurde.
Tabelle 3: Anzahl der kodierten Segmente zum Framing
von Ungleichheit, 2014-201525
Ungleichheit ist ein Problem Ungleichheit ist kein Problem
Summe
G
B
R
IR
L
D
E
U
A
U
T
S
u
m
m
e
G
B
R
IR
L
D
E
U
A
U
T
S
u
m
m
e
Referenz zu gesellschaftlichen
Leitbildern 32 20 26 22 100 34% 5 1 4 7 17 12% 117 27%
Ökonomische Konsequenzen 39 21 6 2 68 23% 15 8 5 8 36 26% 104 24%
Politische Konsequenzen 34 26 5 15 80 28% 80 19%
Soziale Konsequenzen 11 11 10 2 34 12% 34 8%
Ungleichheit ist nicht gestiegen 19 1 13 7 40 29% 40 9%
Ungleichheit ist die falsche
Maßeinheit 2 11 13 26 19% 26 6%
Andere 3 0 5 8 3% 7 1 2 10 20 14% 28 7%
Anzahl der kodierten Segmente 290 100% 139 100% 429 100%
Betrachten wir die einzelnen hier dargestellten Kategorien, so zeigt
sich, dass die Kategorie „Referenz zu gesellschaftlichen Leitbildern“ in
beiden unserer Hauptgruppen vertreten ist, wenn auch stärker präsent in
Texten, die das Phänomen Ungleichheit als problematisch ansehen, als
bei jenen, die dies nicht tun. Unter dieser, in quantitativer Sicht häufigsten,
Kategorie sind explizite Bezugnahmen auf gesellschaftliche Konventio-
nen wie dem meritokratischen Prinzip oder dem der sozialen Gerechtig-
keit subsummiert: Konventionen, denen im Diskurs um Ungleichheit ein
zentraler Stellenwert beigemessen wird. Die Bezugnahme auf das Prinzip
der Meritokratie als gesellschaftlichem Leitbild stellt hierbei in auffallender
Weise das am häufigsten bemühte Diskursmuster.
Der Begriff der Meritokratie bezieht sich im Kern auf die Frage der indivi-
duellen Leistung, welche in den zur Untersuchung herangezogenen Bei-
199
44. Jahrgang (2018), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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