Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2018 Heft 3 (3)

tungsbilanzsaldo als akzeptabel angesehen werden. Analog zur Formel
der Staatsschuldendynamik könnte eine Rechnung angestellt werden, die
das Nettoauslandsvermögen in Prozent des BIP eine gewisse Grenze
(beispielsweise -30%) dauerhaft nicht unterschreiten lässt, was verhin-
dert, dass ein unendlicher oder sehr hoher negativer Wert im mathemati-
schen Limit erreicht wird.14 Daraus ließe sich der permanent notwendige
Leistungsbilanzsaldo ablesen, den Österreich mindestens erreichen
müsste. Die Nettoauslandsvermögensposition ist das Ergebnis aller ver-
gangenen (aufsummierten) Leistungsbilanzsalden sowie der jährlichen
Bewertungsgewinne bzw. -verluste. Seit 2002 hat sich die österreichische
Nettoauslandsvermögensposition verbessert und sich von einer traditio-
nellen Nettoauslandsverschuldung bis 2013 in ein positives Nettoaus-
landsvermögen von mittlerweile knapp 5% gewandelt. Aggregiert gese-
hen hat Österreich damit einen gewissen Puffer – selbst für den Fall mode-
rater Leistungsbilanzdefizite über mehrere Jahre hinweg.
2.3 Auswirkungen auf die Budgetpolitik
Die zukünftige dynamische Entwicklung der Staatsschuldenquote wird
von zwei entscheidenden Parametern bestimmt. Zum einen bezeichnet
man die Differenz zwischen der Effektivverzinsung auf die Staatsschuld
und der nominalen BIP-Wachstumsrate als Zins-Wachstums-Differential,
das wesentlich vom Zinssatz der Europäischen Zentralbank mitbestimmt
wird und ganz unabhängig von „guter“ oder „schlechter“ Haushaltspolitik in
Bezug auf das Primärdefizit die Staatsschuldenquote in eine Richtung peit-
Tabelle 2: Sensitivitätsanalyse des Zins-Wachstums-Differentials für
die Schuldendynamik: Fiskalischer Spielraum (negativ zeigt Spielraum,
positiv Einsparnotwendigkeit)
Fortschreibung
Status quo
Rückkehr zum Mittel-
wert 1995-2017
1. Derzeitige Situation (Aufschwung) Differenz zur derzeitigen Primärbilanzin % des BIP von 0,88 (2017)
Zielwerte
für Staatsschuldenquote
(in % des BIP)
Maastricht 60,0 –1,08 0,51
Stabilisierung Niveau
2017 78,8 –2,17 –0,37
2. Mittelfristig (neutral) Differenz zum Durchschnitt der Primärbilanz in% des BIP von 0,45 (1995-2017)
Zielwerte
für Staatsschuldenquote
(in % des BIP)
Maastricht 60,0 –0,65 0,94
Stabilisierung Niveau
2017 78,8 –1,74 0,06
Annahmen: Fortschreibung Status quo: Discountfaktor bleibt bei 0,984 (2017) für 20 Jahre;
Annahmen: Rückkehr zum Mittelwert Szenario: Discountfaktor steigt von 0,984 (2017) auf
1 (2018) und dann auf 1,006 (geometrisches Mittel 1995-2017 ohne 2009).
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Wirtschaft und Gesellschaft 44. Jahrgang (2018), Heft 3
        

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