Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

va) und deren Finanzierung (Passiva) aufgezeichnet werden, verändern
die periodischen Finanzierungssalden die Vermögenszusammensetzung
(einschließlich Bilanzverlängerung- oder -verkürzung) und die Finanzie-
rungsstruktur (einschließlich Leverage: Verhältnis von Eigen- zu Fremd-
kapital).
6. Giralgeldzirkulation und Ersparnisbildung
Aus der Natur der Giralgeldschöpfung im Kreditvergabeprozess der Ge-
schäftsbanken wird deutlich, dass die Ausreichung von Krediten unabhän-
gig von Kundeneinlagen unterschiedlicher Fristigkeit21 erfolgt, also der
Kreditvergabe keine bei den Geschäftsbanken veranlagten Ersparnisse
vorausgehen müssen, wie das der fiktiven Vorstellungswelt der „Loanable
Funds“-Theorie entspringt. Denn durch die Valutierung von Krediten (oder
von Kaufpreisen bei Vermögenskäufen) werden die Einlagen in Form von
Giralgeld (jederzeit abrufbare Girokontoguthaben für Zahlungszwecke in
Form von Barzahlungen oder Banküberweisungen) gleichzeitig mit einem
Buchungsvorgang „aus dem Nichts“ („mit einem Federstrich“) geschaffen.
Bestehende Einlagen können für Kreditzwecke gar nicht verwendet wer-
den, denn ihre potenzielle Verwendung ist durch die Geldfunktionen be-
reits festgelegt, eine darüber hinausgehende „Doppelverwendung“ ist
funktionell und logisch ausgeschlossen. Die erwartungsabhängige Ver-
wendung und Verteilung dieser Zahlungsmittel im Zahlungsverkehrskreis-
lauf erst entscheidet, ob sie als Einnahmenüberschüsse gespart (in län-
gerfristige Veranlagungsformen transformiert) oder zur Kredittilgung
(Giralgeldvernichtung) verwendet werden oder als Girokontoguthaben zur
kurzfristigen Liquditätssicherung (Transaktions-, Vorsichts- und Spekula-
tionskassa nach Keynes) im Giralgeldkreislauf verbleiben.
Die periodisch abgrenzbare Bestandsidentität I = S (Investitionen = I er-
geben sich aus Ersparnissen = S) entspringt daher der Einnahmen-Aus-
gaben-Logik ex post der Verwendung von Zahlungsmitteln in Form von Gi-
ralgeld, das ex ante durch Kreditvergabe geschaffen wird. Sie kann für
jedes beliebige Zeitintervall durch Stichtagsvergleiche der Bestandsver-
änderungen in den relevanten Vermögensbilanzen auf jeder Aggrega-
tionsstufe dargestellt werden.
Davon zu unterscheiden ist das Funding der Geschäftsbanken für den
Zahlungsausgleich im Zahlungsverkehr und den Bargeldbedarf der Bank-
kunden, das temporär durch wechselseitige Limite im Interbankenmarkt
zwecks Stundung der Clearingsalden überbrückt, aber ultimativ immer
durch die Bereitstellung und Zirkulation von Zentralbankreserven erfolgt
und eine Säule der Zahlungsmitteleignung des Giralgeldes darstellt.
Daher sind es nicht die Ersparnisse, von denen die Finanzierung der In-
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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