Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

Verhaltens und der daraus resultierenden ökonomischen Prozesse. Und
es ersetzt auch nicht die wirtschaftspolitischen Handlungsanleitungen zur
Erreichung wohldefinierter gesellschaftlicher Ziele (z. B. Vollbeschäfti-
gung, Preisstabilität, produktivitätsorientierte Wohlstandsentwicklung, so-
ziale Sicherheit, größtmögliche Einkommensgleichheit, Steuergerechtig-
keit, Maßnahmen gegen die kontraproduktive Ungleichheit der Vermö-
gensverteilung, usw.). Aber es entscheidet über die logische Konsistenz
und damit über die empirische Relevanz der ökonomisch-theoretischen
Erklärungsversuche und den daraus abgeleiteten wirtschaftspolitischen
Implikationen.
7. Wirtschaftspolitische Implikationen
für die Bankenaufsichtskompetenz
Souveränes Geld in der operativen Ausgestaltung des zweistufigen Teil-
reservesystems zur einzelwirtschaftlichen Liquiditätsversorgung beruht
auf der dualen Geldhierarchie aus dem staatlichen Geld der Zentralbank
(Bargeld und Reserven) und dem privaten Buchgeld der Geschäftsbanken
(Giralgeld). Das den Zahlungsverkehr dominierende Giralgeld erhält seine
Eignung als dezentrales Zahlungsmittel ausschließlich durch Transak-
tionssicherheit, also durch die jederzeitige und uneingeschränkte Fähig-
keit, gleichlautend denominierte Schuldverhältnisse der Wirtschaftssub-
jekte (Haushalte, Unternehmen, Institutionen) durch Zahlungsausgleich
auflösen zu können. Und dieser Zahlungsausgleich bedeutet im Fall von
Giralgeld immer die Einlösung von im wirtschaftlichen Leistungsprozess
begründeten Geldforderungen durch betragsgleiche Buchgeldforderun-
gen gegen den Geschäftsbankenapparat. Folglich ist das von den Ge-
schäftsbanken emittierte Giralgeld mit dem Solvenz- und Liquiditätsrisiko
seiner Herkunft („Emittentenrisiko“) belastet, das den Anforderungen an
die Transaktionssicherheit entgegensteht.23
Die systemische Lösung dieses Problems obliegt in einem souveränen
Währungssystem allein der Zentralbank und der Bankenaufsicht. Die No-
tenbank stellt durch ihr Reserveangebot erst die Geldbasis her, um durch
staatliche Zahlungsmittel (Banknoten, Münzgeld, Zentralbankguthaben)
den allgemeinen Zahlungsausgleich auf das Niveau souveräner Trans-
anktionssicherheit zu bringen. Und so erhält auch das private Giralgeld
des Geschäftsbankenapparats seine Zahlungsmitteleignung erst durch
das staatliche Geld als Zahlungsmittel zwischen den konzessionierten
Banken. Der liquiditätstechnische Rückhalt durch das Reserveangebot
der Notenbank ist die notwendige Bedingung für Giralgeld als transak-
tionssicheres Zahlungsmittel mit allen ökonomischen Geldeigenschaften.
Die hinreichende Bedingung aber ist erst gegeben, wenn der Iterations-
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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