Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

Die weltweite Ungleichheit
Rezension von: Thomas Piketty,
Facundo Alvaredo, Lucas Chancel,
Emmanuel Saez, Gabriel Zucman (Hrsg.),
Die weltweite Ungleichheit. Der World
Inequality Report 2018, C. H. Beck,
München 2018, 457 Seiten, broschiert,
A 20; ISBN 978-3-406-72385-8.
Aktuelle Debatten um die Erhöhung
des Spitzensteuersatzes auf Einkom-
men oder die Einführung einer Ver-
mögenssteuer in den USA zeigen,
dass die Sehnsüchte nach einer ge-
rechteren Welt noch lange nicht gestillt
sind. Das vorliegende Buch zur welt-
weiten Ungleichheit und das damit ver-
bundene Projekt WID.world sind wohl
ein weiterer Ausdruck dessen und soll
dazu dienen, fundierte Argumente und
Zahlen für weiterführende Debatten zu
liefern.
Müsste man den Inhalt des Bandes
kurz und knapp mit einem Satz aus
eben diesem beschreiben, so könnte
man dies schelmisch mit dem euphe-
mistischen Hinweis auf der Seite der
Verlagsangaben tun: „Mit zahlreichen
Tabellen und Graphiken“. Die schier
unbegrenzte Fülle an Tabellen und
Grafiken ist aber gleichzeitig auch Aus-
druck des Engagements, das die He-
rausgeber an den Tag legen, um die
weltweite Ungleichheit in ihren vielen
Facetten darzulegen.
Die Inhalte stammen aus aktuellen
Working Papers und aus Beiträgen in
Fachzeitschriften von insgesamt mehr
als 100 WissenschaftlerInnen aus 70
Ländern und wurden für eine breite Le-
serschaft aufbereitet. Der Bericht ist
nicht als einmaliges Werk gedacht,
sondern als Periodikum, das alle zwei
Jahre in einer aktualisierten Form ver-
öffentlicht wird und das von den Auto-
ren genannte hehre Ziel verfolgt, als
global anerkannter Report zur weltwei-
ten Ungleichheit zu dienen und die me-
diale Aufmerksamkeit auf das Thema
Ungleichheit zu lenken.
Dafür gibt es günstige Voraussetzun-
gen: Die fünf Herausgeber steuern
selbst wichtige Beiträge bei und gehö-
ren zudem allesamt zu den weltweit
führenden VerteilungsforscherInnen.
Mit Thomas Piketty und Gabriel Zuc-
man als mediale Leitfiguren sorgen sie
seit Jahren für Furore in der Ungleich-
heitsforschung. Teile der Autoren-
schaft trugen mit wissenschaftlichen
Ausarbeitungen unmittelbar zu den
eingangs erwähnten Debatten bei.
Entstehung des Berichts
Die Entstehung des Berichts bzw.
Buches fällt wohl nicht zufällig mit der
ersten WID.world-Konferenz Mitte De-
zember 2017 in Paris zusammen, wo-
bei WID für „World Inequality Databa-
se“ steht und das umfassendere Nach-
folgeprojekt der „World Top Income
Database“ darstellt.
Die Veröffentlichung dieses Buches
ist zudem einer der vielen Belege der
wissenschaftlichen und organisatori-
schen Professionalität des Projekts
WID.world insgesamt. Bereits am Tag
der Konferenz lagen die layoutierten
Zusammenfassungen in insgesamt
neun Sprachen auf, die es mehr als
drei Milliarden Menschen ermöglicht,
Informationen zu Verteilungsfragen in
ihrer Erstsprache zu erhalten. Die
Website, die unter anderem auch die-
ses Buch als freien Download beinhal-
tet, könnte in den nächsten Jahren zu
einer zentralen Anlaufstelle für Wis-
senschafterInnen weltweit werden. Be-
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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