Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

ließe sich jedoch auch argumentieren, dass eine eingeschränkte Substitu-
ierbarkeit zwischen den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit bei sin-
kender Kapitalakkumulation zu langfristigen Effekten auf die „strukturelle“
Arbeitslosigkeit führen kann.23 Für die Variable zu den langfristigen Real-
zinsen erwarten wir im Rahmen der ökonometrischen Hypothesentests
ein positives Vorzeichen, da ein Zinsanstieg die Kapitalkosten anhebt und
dadurch die Investitionen schwächt und die Arbeitslosigkeit erhöht.24 Die
Variable zum Produktivitätswachstum sollte ein negatives Vorzeichen auf-
weisen, insoweit stärkerer Produktivitätsfortschritt die Arbeitslosigkeit
senkt.25 Schließlich ist für die Variable, die Veränderungen in den Terms of
Trade repräsentiert, ein negatives Vorzeichen zu erwarten. Eine Verbes-
serung der Terms of Trade bedeutet, dass die Importe relativ billiger wer-
den. Sinkende relative Importpreise reduzieren den Aufwärtsdruck auf die
Löhne, sodass die Arbeitslosigkeit sinkt, weil die Unternehmen billiger pro-
duzieren können.26
4. Ökonometrische Vorgehensweise und grundlegende
ökonometrische Ergebnisse
Wir verwenden folgende Basisgleichung für die ökonometrischen Schät-
zungen bezüglich der Determinanten von Arbeitslosigkeit in den OECD-
Ländern:
AL INFL AMI K FE FEi t i t i t i t i t i t, , , , ,= + + + + +? ? ? ? ? ?1 2 3 1 2?
Dabei ist ALi t, die abhängige Variable, welche die („strukturelle“) Arbeits-
losenquote in Land i zum Zeitpunkt t abbildet. In einigen Modellspezifika-
tionen werden wir jährliche Daten verwenden, in anderen jedoch Fünfjah-
res-Durchschnitte, wobei die Hintergründe in Kapitel 4.1 detaillierter
erklärt werden. Zudem werden wir mit alternativen NAIRU-Schätzungen
(von internationalen Organisationen regelmäßig verwendet als Proxy für
„strukturelle“ Arbeitslosigkeit) als abhängige Variable experimentieren,
wobei auch hier die Details weiter unten erläutert werden. ?INFLi t, ist die
Veränderung in der Inflationsrate, die wir als Kontrollvariable berücksichti-
gen, um einen möglichen Trade-off im Zusammenhang zwischen Arbeits-
losigkeit und Inflation im Rahmen der Phillips-Kurve zu berücksichtigen –
dies ist eine Eigenschaft der meisten „Reduced-form“-Modelle der NAIRU
in der ökonometrischen Literatur.27 AMIi t, beinhaltet eine Mehrzahl an
strukturellen Arbeitsmarktindikatoren, die wir bereits in Kapitel 3.1 ge-
nannt haben. Ki t, besteht aus zusätzlichen Kontrollvariablen, die in Tabel-
le 2 zusammengefasst sind.FEi sind länder-spezifische „fixed effects“, die
wir im Modell inkludieren, um für nicht beobachtbare, zeitinvariante länder-
spezifische Charakteristika zu kontrollieren. FEt sind periodenspezifische
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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