Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

tutionen abbilden, haben entweder a) ein Vorzeichen, das nicht mit der
theoretischen Mainstream-Erwartung konsistent ist, b) weisen keine statis-
tische Signifikanz auf, oder c) ihr Einfluss ist nicht robust gegenüber unter-
schiedlichen Modellspezifikationen.
5.2 Variation in der abhängigen Variable:
Die Determinanten von NAIRU-Schätzungen
Ein möglicher Einwand gegen die bislang präsentierten Resultate be-
sagt, dass es nicht überraschend sei, dass Kapitalakkumulation einen ne-
gativen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit hat; denn die Arbeitslosenquote
bestehe sowohl aus einer strukturellen Komponente – die auf institutionel-
len (Arbeitsmarkt-)Charakteristika der jeweiligen Volkswirtschaft beruhe32
– sowie aus einer zyklischen Komponente, die durch das Auf und Ab des
Konjunkturzyklus bestimmt sei.33 Obgleich wir bereits ökonometrische Re-
sultate präsentiert haben, die auf Fünfjahres-Durchschnitten beruhen –
damit zumindest großteils die kurzfristigen konjunkturellen Einflüsse elimi-
nieren und die kausale Interpretation erleichtern –, könnte weiterhin argu-
mentiert werden, dass ForscherInnen ganz explizit die Determinanten von
„struktureller“ Arbeitslosigkeit untersuchen sollten – also jenem Teil der
Arbeitslosigkeit, der unabhängig ist von konjunkturellen und saisonalen
Einflüssen. Es ist offensichtlich, dass diese „strukturelle“ Arbeitslosigkeit
jedenfalls nicht beobachtet, sondern nur auf der Basis von ökonomischen
Modellen geschätzt werden kann.34 Der prominenteste Ansatz ist in die-
sem Zusammenhang die Schätzung der „non-accelerating inflation rate of
unemployment“ (kurz: NAIRU). Die zentrale Proposition in diesem Zusam-
menhang besagt, dass jede Volkswirtschaft zu einem beliebigen Zeitpunkt
durch eine klar definierte, aber nicht beobachtbare Arbeitslosenquote
charakterisiert ist, bei der die Inflation konstant bleibt. Während die theore-
tischen Grundlagen der NAIRU als Theorie zur Erklärung der Arbeitslosig-
keit umstritten bleiben – da das NAIRU-Modell mit mehreren theoretischen
Traditionen in Einklang gebracht werden kann35 –, besteht die dominante
empirische Praxis darin, die nicht beobachtbare NAIRU mittels statisti-
scher Filtermodelle zu schätzen, die es ermöglichen, die „strukturelle“
Komponente von der konjunkturellen Komponente der Arbeitslosenquote
zu trennen.36 Nachfolgend verwenden wir die prominenten NAIRU-Schät-
zungen der OECD als alternative Arbeitslosigkeitsvariable. Diese NAIRU-
Schätzungen der OECD werden regelmäßig als Näherungsgröße für
„strukturelle“ Arbeitslosigkeit verwendet37 und informieren als solche di-
rekt oder indirekt den wirtschaftspolitischen Entscheidungsprozess.38
Tabelle 5 zeigt die Determinanten der NAIRU-Schätzungen, die von der
OECD vorgenommen werden. Die erklärenden Variablen sind dieselben
wie in den Modellspezifikationen von Tabelle 3 – mit dem Unterschied,
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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