Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

Vorzeichen aufweist und statistisch signifikant ist. Dieses grundlegende
Bild ändert sich auch nicht, wenn wir den „First-Differences“-Schätzer ver-
wenden (basierend auf jährlichen Daten in Modell [4] und auf Fünfjahres-
Durchschnitten in Modell [5]): Wir bestätigen, dass Kapitalakkumulation
eine signifikante Determinante der NAIRU darstellt, während die institutio-
nellen Arbeitsmarktvariablen großteils als erklärende Variablen nicht die
aus der Mainstream-Theorie erwartete Signifikanz aufweisen. Als Neben-
bemerkung sei darauf verwiesen, dass diese Ergebnisse weitere Evidenz
dafür liefern, dass breit genützte NAIRU-Schätzungen eine fragwürdige
Näherungsgröße für „strukturelle“ Arbeitslosigkeit darstellen,40 weshalb
diese Schätzungen nur mit größter Vorsicht als Maß für die Kapazitätsaus-
lastung an den Arbeitsmärkten genützt werden sollten. Tatsächlich sind
diese auf statistischen Filtermodellen basierenden NAIRU-Schätzungen
zu einem erheblichen Anteil durch makroökonomische Faktoren determi-
niert, sodass eine simple „strukturelle“ Interpretation zu erheblichen Fehl-
informationen im wirtschaftspolitischen Entscheidungsprozess und zu
suboptimaler makroökonomischer Politik führen kann.41
5.3 Lag-Spezifikationen, Interaktionsterme und Variationen
in der Ländergruppe
Als dritten Schritt in der Robustheitsanalyse untersuchen wir, ob die Ein-
führung von Lags – das heißt: zeitlich verzögerten Kontrollvariablen – die
Regressionsergebnisse ändert. Denn es lässt sich argumentieren, dass
Arbeitsmarktinstitutionen die („strukturelle“) Arbeitslosigkeit möglicherwei-
se erst mit zeitlicher Verzögerung beeinflussen. Wir verwenden die Spezi-
fikationen in Tabelle 3 als Referenzpunkt. Tabelle 6 zeigt die Schätzergeb-
nisse der Lag-Spezifikationen für den Zeitraum 1985-2011. Dabei zeigen
die Spalten (1)-(3) die Resultate basierend auf jährlichen Daten, die Spal-
ten (4)-(6) beruhen hingegen auf Fünfjahres-Durchschnitten. In den Mo-
dellen (1) und (4) inkludieren wir Lags für alle Arbeitsmarktvariablen, um
dem Argument Rechnung zu tragen, dass institutionelle Veränderungen
sich erst mit zeitlicher Verzögerung auf die Arbeitslosenquote auswirken
können. Diese Hypothese ist jedoch auf der Basis unserer Daten nicht
haltbar. Denn die Koeffizienten und Standardfehler der Kapitalakkumulati-
on und der langfristigen Realzinsen bleiben nach der Einführung von AMI-
Lags weitgehend unbeeinflusst (wenngleich der Koeffizient der langfristi-
gen Zinsen in Modell (4) seine statistische Signifikanz verliert). Gleichzei-
tig haben die institutionellen Arbeitsmarktvariablen entweder a) ein Vor-
zeichen, das nicht mit der theoretischen Mainstream-Erwartung konsistent
ist, b) weisen keine statistische Signifikanz auf, oder c) ihr Einfluss ist nicht
robust gegenüber unterschiedlichen Modellspezifikationen. Wir setzen
fort, indem wir in den Modellen (2) und (5) Lags für Kapitalakkumulation
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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