Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

und die langfristigen Zinsen berücksichtigen, um zu untersuchen, ob sich
diese alternativen Erklärungsfaktoren zeitverzögert auf die Arbeitslosen-
quote auswirken. Die Ergebnisse bekräftigen die Rolle von makroökono-
mischen Faktoren als Determinanten der Arbeitslosigkeit. In den Spalten
(3) und (6) inkludieren wir schließlich alle möglichen Lag-Terme: sowohl
für die Variablen zu Arbeitsmarktinstitutionen als auch für die makroöko-
nomischen Variablen Kapitalakkumulation und langfristige Realzinsen.
Zudem berücksichtigen wir Lags für Änderungen in den Terms of Trade
und im Produktivitätswachstum. Die zentralen Ergebnisse werden erneut
bestätigt: Insbesondere der signifikante Einfluss der Kapitalakkumulation
auf die Arbeitslosenquote sticht heraus. Die ökonometrische Evidenz für
den Einfluss der Arbeitsmarktvariablen kann hingegen bestenfalls als ge-
mischt bezeichnet werden. Tatsächlich ist die aktive Arbeitsmarktpolitik
die einzige AMI-Variable, die in zwei von sechs Modellen in Tabelle 6 sta-
tistische Signifikanz aufweist.
Der vierte Bereich unserer Robustheitsanalyse beschäftigt sich mit Inter-
aktionseffekten. Die bestehende Literatur ist durch mehrere Studien
charakterisiert, die davon ausgehen, dass institutionelle Arbeitsmarktva-
riablen sich durch ihre Interaktionen auf die Arbeitslosigkeit auswirken.42
Stockhammer und Klär (2011, S. 449) streichen jedoch hervor, dass „die
theoretischen Grundlagen für diese Interaktionen […] unspezifisch sind.
So argumentiert beispielsweise der IWF (2003), dass die Effekte unter-
schiedlicher Arbeitsmarktvariablen sich gegenseitig verstärken, ohne je-
doch im Vorhinein zu spezifizieren, welche Arbeitsmarktinstitutionen inter-
agieren sollten. Daraus erwächst ein Problem für jeden Versuch, die
Effekte von Interaktionen statistisch zu evaluieren: Weil es zahlreiche po-
tenzielle Interaktionen gibt, muss der geneigte Forscher einige finden, die
statistisch signifikant sind“.43
Dennoch schätzten wir mehrere Modellspezifikationen, um zu analysie-
ren, ob Interaktionseffekte bedeutsam sind. Die Ergebnisse lassen sich
folgendermaßen zusammenfassen: Es spielt keine Rolle, ob wir aus-
schließlich Interaktionen zwischen institutionellen Arbeitsmarktvariablen,
Interaktionen zwischen den AMI-Variablen und den zusätzlichen makro-
ökonomischen Kontrollvariablen (Kapitalakkumulation und langfristige
Zinsen), oder aber alle Interaktionen auf einmal berücksichtigen. Denn wir
finden jeweils keine Evidenz dafür, dass Interaktionseffekte eine systema-
tische Rolle spielen. Kapitalakkumulation und langfristige Zinsen bewah-
ren hingegen ihr erwartetes Vorzeichen und ihre statistische Signifikanz.
Zusammenfassend verwirft dieser Robustheitstest also die Hypothese,
dass Interaktionsterme von zentraler Bedeutung zur Erklärung von Ar-
beitslosenquoten in OECD-Ländern wären, während wir jedoch neuerlich
bestätigen, dass makroökonomische Faktoren berücksichtigt werden müs-
sen, um die Arbeitslosenquoten in OECD-Ländern erklären zu können.44
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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