Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

Abschließend testeten wir zudem, ob Ausreißer die durchschnittlichen
ökonometrischen Ergebnisse in Tabelle 3 beeinflussen. Wir führten Varia-
tionen in der Ländergruppe durch, indem wir jeweils ein Land aus der Län-
dergruppe ausschlossen. Dieser Robustheitstest verweist darauf, dass
das Inkludieren oder Exkludieren einzelner Länder weder die Größe der
Koeffizienten noch ihre statistische Signifikanz maßgeblich verändert.45
5.4 Statistische Signifikanz versus ökonomische Relevanz
Wer nur auf die statistische Signifikanz von Variablen achtet, könnte in
die Irre geleitet werden. Denn Signifikanz impliziert nicht immer, dass die
jeweilige erklärende Variable einen Einfluss auf die abhängige Variable
hat, der als ökonomisch relevant bezeichnet werden kann.46 Deshalb
standardisieren wir nachfolgend die Variablen in unserem Basismodell,
um den ökonomischen Einfluss der Arbeitsmarktvariablen und der makro-
ökonomischen Variablen herauszuarbeiten. Wir tun dies, indem wir die ge-
schätzten Parameter neu skalieren, was darauf basiert, dass wir die Para-
meter durch zwei Standardabweichungen dividieren.47 Diese Standardi-
sierung ermöglicht eine Einschätzung betreffend die Frage, welche Varia-
blen die relevanteste Beziehung mit der Arbeitslosigkeit haben, weil sie
die Koeffizienten der Variablen direkt vergleichbar macht.
Abbildung 1 beinhaltet zwei „Forest Plots“, welche die standardisierten
Koeffizienten für die grundlegenden Ergebnisse im Zeitraum 1985-2011
abbilden. Im oberen Teil der Grafik sind die standardisierten Ergebnisse
basierend auf jährlichen Daten dargestellt (siehe Modell [2] in Tabelle 3),
und im unteren Teil der Grafik sind die Ergebnisse für die Fünfjahres-
Durchschnitte zu sehen (siehe Modell [3] in Tabelle 3). Die Balken, welche
die Punktschätzer ergänzen, repräsentieren zwei Standardfehler als Maß
für die Unsicherheit rund um die Punktschätzung. Die Ergebnisse sind in
zweierlei Hinsicht besonders bedeutsam. Erstens ist der ökonomische
Einfluss der institutionellen Arbeitsmarktvariablen auf die Arbeitslosigkeit
relativ gering, nachdem die Standardisierung durchgeführt wurde. Keine
einzige der Arbeitsmarktvariablen weist ein Unsicherheitsband auf, das
nicht die vertikale Nulllinie berühren würde. Zweitens haben die makro-
ökonomischen Variablen eindeutig den größten ökonomischen Einfluss
auf die Arbeitslosigkeit: Dabei haben die langfristigen Realzinsen einen
positiven Einfluss (ein Anstieg der Zinsen erhöht die Arbeitslosigkeit),
während die Kapitalakkumulation einen negativen Einfluss nimmt (ein An-
stieg der Kapitalakkumulation senkt die Arbeitslosigkeit). Damit bestätigt
die Standardisierung der Regressionsergebnisse die ermittelten Resulta-
te, wonach die Arbeitsmarktinstitutionen einen viel weniger signifikanten
(und ökonomisch relevanten) empirischen Zusammenhang mit der Ar-
beitslosigkeit haben als in der Mainstream-Literatur erwartet. Makroöko-
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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