Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

nomische Variablen sind hingegen nicht nur statistisch signifikante Deter-
minanten, sondern ökonomisch auch höchst relevant.
6. Schlussfolgerungen
Eine Vielzahl an wirtschaftspolitisch einflussreichen Studien verwies in
den vergangen 25 Jahren darauf, dass die angestiegene Arbeitslosigkeit
in OECD-Ländern hauptsächlich auf „Arbeitsmarktrigiditäten“ – wie exzes-
sive Arbeitsschutzbestimmungen, Mindestlöhne, dysfunktionale zentrali-
sierte Lohnverhandlungen etc. – zurückzuführen sei.48 Die hier vorliegen-
de Studie nahm nicht nur eine Bestandaufnahme der bestehenden
Evidenz vor, sondern aktualisierte anhand von eigenen Schätzungen die
empirische Evidenz. Wir nützten einen Datensatz zu 23 OECD-Ländern
im Zeitraum 1985-2013, um zur bestehenden Literatur beizutragen. Wir
taten dies, indem wir alternative Hypothesen zur Erklärung von Arbeitslo-
sigkeit testeten, wobei wir einen längeren Zeithorizont und eine größere
OECD-Ländergruppe berücksichtigten als die meisten vorangegangen
Studien und weitreichende Robustheitstests durchführten.
Die ökonometrischen Ergebnisse legen nahe, dass die Forschungsfra-
ge, ob Standardmaße für „rigide“ Arbeitsmarktinstitutionen in OECD-Län-
dern robust mit höheren („strukturellen“) Arbeitslosenquoten im Zusam-
menhang stehen, mit einem klaren „Nein“ zu beantworten ist. Tatsächlich
verweisen die in der vorliegenden Studie präsentierten Ergebnisse darauf,
dass die Sichtweise, wonach Arbeitsmarktinstitutionen den Kern des Ar-
beitslosigkeitsproblems ausmachten, nicht durch robuste makroökonome-
trische Evidenz gestützt ist. Diese Studie findet, dass Arbeitsmarktinstitu-
tionen zwar teilweise einen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit in OECD-
Ländern haben mögen, dieser Einfluss jedoch an Signifikanz und Rele-
vanz deutlich hinter dem Einfluss makroökonomischer Variablen zurück-
bleibt. Kapitalakkumulation zeigt einen statistisch signifikanten und ökono-
misch relevanten Einfluss, selbst wenn wir für die langfristigen realen
Zinsen kontrollieren.
Die wichtigste Implikation dieser Ergebnisse ist folgende: Um die Ent-
wicklung der („strukturellen“) Arbeitslosigkeit in OECD-Ländern zu erklä-
ren, sollten ForscherInnen und wirtschaftspolitische Entscheidungsträge-
rInnen hauptsächlich auf makroökonomische Faktoren achten. Die in der
vorliegenden Studie präsentierten Ergebnisse verweisen darauf, dass An-
stiege in der („strukturellen“) Arbeitslosigkeit jedenfalls nicht einfach durch
zunehmende Arbeitsmarktrigiditäten erklärt werden können. Die aggre-
gierte makroökonometrische Evidenz unterstützt damit auch dezidiert
nicht die wirtschaftspolitische Empfehlung, wonach eine Deregulierung
der Arbeitsmärkte – Kürzung von Arbeitslosengeld und Mindestlohn, De-
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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