Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

cial companies has increased at a rapid clip, to $ 8.7 trillion, and is equal to more
than 45 percent of, according to David Ader, chief macro strategist at Informa
Financial Intelligence. … According to the Federal Reserve, nonfinancial cor-
porate debt outstanding has grown by $ 1 trillion in two years.“ (The debt time
bomb that keeps growing and now equals nearly half of US GDP, CNBC.com,
https://www.cnbc.com/…/the-debt-time-bomb-that-keeps- growing)
„No one knows when the US credit cycle will keel over. But when it eventually
does, the outcome is likely to be unusually nasty, brutish and protracted. The
US corporate bond market has been on fire this year, with companies raising a
record $ 1.14 tn of debt. Even junk-rated companies enjoy average.“ (Financial
Times 22.12.2017)
„Nur im Krieg waren Schulden höher.“ (Die Presse 20.4.2018)
„Knallt es bald wieder? Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite ist das Risiko an
den Finanzmärkten erneut gefährlich gestiegen. Dieses Mal sind des allerdings
die Unternehmen, die sich hoch verschulden.“ (DIE ZEIT 6.9.2018)
Mit den folgenden Ausführungen soll keineswegs gegen den Abbau re-
zessionsbedingter Schulden in einer Aufschwungsphase argumentiert
werden; er ist das unvermeidliche Korrelat einer antizyklischen Budgetpo-
litik. Es geht vielmehr um den (keineswegs ersten) Versuch, die Bedeu-
tung und die Rolle von Kapitalbildung und Schulden in der Wohlstandsge-
sellschaft klarzustellen. Denn die mediale wie auch die wirtschaftspoliti-
sche Argumentation schätzt die Folgen eines generellen Schuldenabbaus
nach wie vor falsch ein. Erstens gilt es bewusst zu machen, dass die
Summe aller Schulden trivialarithmetisch immer der Summe der Erspar-
nisse entsprechen muss.2 Wenn die Haushalte sparen – und sie tun das in
Europa in erstaunlichem Maße –, muss sich irgendwer verschulden: die
Firmen, der Staat oder das Ausland. Der Versuch eines generellen Schul-
denabbaus muss scheitern, wenn die Sparer (oder indirekt die Banken)
die zurückgezahlten Beträge nicht ausgeben, sondern wieder anlegen.
Ein genereller Schuldenabbau kann bloß dann gelingen, wenn weniger
gespart, d. h. zusätzlich konsumiert oder investiert wird. Daraus folgt zwei-
tens, dass immer dann, wenn die Haushaltsersparnisse die Investitions-
bedürfnisse der Firmen übersteigen – eine für die Wohlstandsgesellschaft
nicht untypische Situation –, der Staat als „debtor of last resort“ einsprin-
gen muss, um einen rezessiven Prozess zu vermeiden. Drittens wird ge-
zeigt, dass das Ausmaß der Schulden – und die Belastung durch Zinsen –
erheblich überschätzt wird, wenn – wie üblich – die den Schulden gegen-
überstehenden Finanzaktiva (Guthaben) vernachlässigt werden. Viertens
schließlich kann das Niveau der Schulden bloß dann richtig analysiert wer-
den, wenn die Verwendung der aufgenommenen Mittel mit einbezogen
wird: Fließen die Mittel in den Konsum oder in die Finanzierung von Sach-
oder Finanzkapital? Und: Sind die Erträge der mit der Verschuldung finan-
zierten Aktiva höher als Schuldzinsen?
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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