Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

Ein wenig Saldenmechanik
Für die Volkswirtschaft als Ganzes, für ihre Sektoren wie auch für jeden
einzelnen Bürger gilt, dass die Differenz von Einnahmen und (Gesamt-)
Ausgaben identisch mit dem jeweiligen (Netto-)Sparen (Finanzierungssal-
do) sein muss. Dieser wiederum entspricht zwangsläufig dem Zuwachs an
Finanzanlagen abzüglich der zusätzlichen Verschuldung. Dabei ist zu be-
achten, dass die (Gesamt-)Ausgaben in der Finanzierungsrechung nicht
bloß die laufenden Ausgaben, sondern auch diejenigen für Anschaffungen
(Investitionen, dauerhafte Güter) enthalten. „Sparen“ beschränkt sich in
der Finanzierungsrechnung somit auf das finanzielle Sparen. In diesem
Sinn haben die Haushalte in der Regel Ausgabenüberschüsse (finanzielle
Netto-Ersparnisse = positive Finanzierungssalden) und die Firmen als
Folge der (teilweisen) Außenfinanzierung ihrer Investitionen Ausgabende-
fizite (Netto-Verschuldung). Öffentliche Hand und Ausland können sowohl
positive wie negative Finanzierungssalden aufweisen. Anders als für den
Einzelnen muss der Finanzierungssaldo für die gesamte Volkswirtschaft
(also die Summe der Sektorsalden einschließlich Ausland) null sein. Wich-
tig ist zu beachten, dass es sich dabei um trivial-arithmetische Beziehun-
gen handelt, die (ex post) zwangsläufig gelten. Das bedeutet jedoch kei-
neswegs, dass die jeweiligen Spar- und Verschuldungspläne der Akteure
übereinstimmen (müssen) – sie stimmen üblicherweise nicht überein! Die
Relevanz der folgenden Überlegungen liegt in der Klarlegung der (vielfach
übersehenen) Mechanismen, welche die divergierenden Pläne der Akteu-
re letztlich – freiwillig oder gezwungenermaßen – zu der unvermeidlichen
trivial-arithmetischen Konsistenz bringen.
Zur Terminologie
Nicht bloß die Alltagssprache bezeichnet mit „Schulden“ vielfach sowohl die
Aufnahme von Schulden (eine Stromgröße) als auch das Niveau der Verschul-
dung (eine Bestandsgröße). Ebenso kann „Sparen“ den jährlichen Konsumver-
zicht (Strom) als auch den Bestand an Ersparnissen bezeichnen. Weiters wird
mit „Sparen“ sowohl die Bildung von Finanz- als auch von Realvermögen be-
zeichnet. Schließlich ist bei allen Aggregaten zwischen Brutto- und Nettogrö-
ßen zu unterscheiden, wobei „netto“ jeweils abzüglich Schulden bedeutet. Da-
raus ergibt sich die in dieser Arbeit verwendete Terminologie:
Jährliche Ströme Bestände
Einnahmen –
– Ausgaben (laufende + Investitionen) –                                  .
= Finanzierungssaldo
(fin. Netto-Sparen/-verschuldung) Netto-Finanzvermögen
? (Brutto-)Forderungen Brutto-Finanzvermögen
– ? Verbindlichkeiten (Verschuldung) – Schuldenniveau
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45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft
        

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