Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 1 (1)

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Zusammenfassung
Unter deutscher Führung hat sich eine geradezu krankhafte Aversion gegen Schulden
entwickelt. Nicht bloß Staatsschulden gelten als grundsätzlich kontraproduktiv, erhebliche
Angst besteht auch vor einer Überschuldung der Firmen. Dabei wird übersehen, dass die
Schulden gesamtwirtschaftlich stets so hoch sein müssen wie die Ersparnisse; solange die
Ersparnisse steigen – und das ist bei steigenden Wohlstand zu erwarten –, müssen auch
die Schulden steigen. Bei dem etwa 2%-igen Wachstum, das auch für die Zukunft zu
erwarten ist, reicht der investitionsbedingte Verschuldungsbedarf der Wirtschaft nicht aus,
die gesamten Ersparnisse aufzunehmen. Der daraus resultierende Nachfragemangel
dämpft das Wachstum und kann Rezessionen auslösen. Um das zu vermeiden, muss der
Staat die überschüssigen Ersparnisse aufnehmen. Das ist in einer wachsenden Wirtschaft
unproblematisch, wenn die Verschuldung für Wohlstands-steigernde Investitionen ver-
wendet wird; darunter sind nicht bloß Investitionen in die materielle Infrastruktur, sondern
auch in die immaterielle – Bildung, Gesundheit etc. zu verstehen. Anstelle der Schuldenre-
gel sollte eine Investitionsregel treten.
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Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1
        

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