Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2019 Heft 4 (4)

Beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensungleichheit? Eine Meta-Analyse* Philipp Heimberger 1. Einleitung Einer der fundamentalsten und robustesten Trends seit den 1980er-Jah- ren ist der Anstieg der Einkommensungleichheit, der sowohl in entwickelten als auch in Schwellenländern festzustellen ist.1 Es liegen mehrere Erklä- rungen vor, um die zunehmende Einkommensungleichheit innerhalb der Nationalstaaten zu erklären. Eine dieser Erklärungen betrifft die ökonomi- sche Globalisierung: In den letzten Jahrzehnten standen Fragen, wie sich die zunehmende Marktintegration in den Bereichen internationaler Handel und Finanzsektor auf die Einkommensungleichheit in der ganzen Welt aus- gewirkt hat, im Mittelpunkt von sozialwissenschaftlichen Kontroversen. Mehrere qualitative Übersichtsarbeiten zeigen, dass die akademische Wissenschaft zu einer schnell wachsenden Literatur beigetragen hat.2 Es scheint einen Konsens unter vielen ForscherInnen und Beobachte- rInnen zu geben, dass Globalisierung und Einkommensungleichheit auf irgendeine Art zusammenhängen. Trotz erheblicher Forschungsanstren- gungen bleiben jedoch die Richtung und das Ausmaß des Zusammen- hangs zwischen Globalisierung und Ungleichheit weitgehend unklar. Auf theoretischer Ebene werden große Teile der vorhandenen Literatur, die sich mit den Auswirkungen der Handelsglobalisierung auf die Einkom- mensungleichheit befassen, als Test des bekannten Stolper-Samuelson- Theorems konzipiert. Dieses Theorem besagt, dass eine zunehmende in- ternationale Handelsintegration die Einkommensungleichheit innerhalb der Schwellenländer verringert, während sie die Ungleichheit in fortge- schrittenen Ländern erhöht.3 Auf empirischer Ebene hat die Literatur je- doch keine eindeutige Schlussfolgerung über die Auswirkungen der Han- delsglobalisierung ziehen können: Während mehrere Artikel (teilweise) empirische Unterstützung für das Stolper-Samuelson-Theorem finden,4 497 45. Jahrgang (2019), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft * Anmerkung: Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumen- tenschutz stellte finanzielle Mittel für die Forschung bereit, die diesem Papier zugrunde liegt. Der Autor dankt Robert Stehrer und TeilnehmerInnen der Young Economists Con- ference 2019 in Wien für sehr hilfreiche Kommentare zu einem früheren Entwurf.

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