Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2020 Heft 4 (4)

Geschlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich* Christine Mayrhuber Auch wenn die Jahre 2020/21 wirtschaftlich von den Eruptionen der COVID-19-Pandemie dominiert sind, gibt es langfristig relative stabile Strukturen und Gegebenheiten. Die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Frauen und Männern im gegenwärtigen Wirtschaftssystem ist eine dieser Gegebenheiten, die sich u. a. an den unterschiedlichen Pensionshöhen zeigt. Schon bisher sind Frauenpensionen deutlich niedriger als Männer- pensionen und die Pensionslücke (engl. Gender Gap in Pensions, kurz GGP) ist eine der größten in Europa. Infolge der krisenbedingten Beschäf- tigungs- und Einkommensrückgänge sowie der hohen Frauenarbeitslosig- keit besteht die Gefahr, dass die finanzielle Eigenständigkeit der Frauen wieder fragiler wird. Auch könnte die in den letzten Jahren vorhandene Tendenz einer sinkenden Pensionslücke zu einem Ende kommen. Nach- folgend werden auf der Grundlage des Konzepts der Pensionslücke die Entwicklung des geschlechtsspezifischen Pensionsnachteils vor 2020 in Österreich skizziert und seine wesentlichen Bestimmungsgründe ermit- telt. 1. Messung der geschlechtsspezifischen Pensionslücke Im österreichischen Sozialversicherungssystem leitet sich der überwie- gende Teil der Sozialleistungen von der Höhe der individuellen Erwerbs- einkommen ab. Erwerbseinkommen bestimmen damit sowohl kurz? als auch langfristig die ökonomische Lage der Menschen in Österreich. Diese Lage unterscheidet sich strukturell zwischen Erwerbsformen, Berufen, Qualifikationen etc. und über all diese Bereiche hinweg zwischen Frauen und Männern (Bock-Schappelwein et al., 2020A) deutlich: Im Jahr 2019 waren 48% der unselbständig Erwerbstätigen Frauen, sie leisteten 40% der gesamten Erwerbsarbeit und bezogen dabei nur rund ein Drittel der 46. Jahrgang (2020), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 501 * Der Beitrag beruht auf den Arbeiten von: Mayrhuber, Ch., Geschlechtsspezifische Pen- sionslücke in Österreich, in: Mairhuber I., Mayrhuber, Ch., TRAPEZ.ANALYSE Ge- schlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich: Quantitative und qualitative Befunde, im Erscheinen. https://www.trapez-frauen-pensionen.at/.

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