Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
- VIII -  
Hauptaussagen  
Die Wirkungszusammenhänge zwischen psychischen Belastungen durch die Arbeit und 
gesundheitlichen Beschwerden sind komplex und vielschichtig. Die Datenlage zur Analyse dieser 
Wirkungszusammenhänge ist lückenhaft, insbesondere in Österreich. Erhebungen fokussieren 
entweder auf Arbeitsplatzbelastungen oder auf dem Gesundheitszustand der Beschäftigten bzw. der 
Bevölkerung und nicht auf beiden Bereiche in ihrem Zusammenwirken. Die vorliegenden Analysen zu 
den psychischen Belastungen der Arbeit und ihren Folgen bauen daher auf einer Kombination von 
Datenquellen auf: dem „European Survey on Working Conditions“, der Mikrozensus-
Arbeitskräfteerhebung 2007, der österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/2007 und 
Verschreibungsdaten von Medikamenten der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse. Da 
psychische Belastungen in den Datengrundlagen unterschiedlich erfasst werden und da weiters keine 
Informationen zur Dauer bzw. Intensität der psychischen Belastungsfaktoren vorhanden sind, können 
die vorliegenden Ergebnisse nur einen ersten Einblick in die Problemlage liefern und keine 
endgültigen Antworten. Die Analysen zeigen aber einen Weg der Forschung auf, der in Zukunft 
verstärkt beschritten werden wird, nicht zuletzt weil psychische Belastungen auf dem Arbeitsmarkt 
zunehmen und damit große Kosten für das Individuum, die Gesellschaft, die Wirtschaft und nicht 
zuletzt auch das Gesundheitssystem zur Folge haben.  
Erklärungsansätze zur Wirkungsweise psychischer Arbeitsbelastungen auf die Gesundheit  
Die grundlegenden Veränderungen der Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten wirken sich 
unmittelbar auf die Arbeitsbedingungen aus. Zunehmender Wettbewerb verbunden mit 
Flexibilisierung der Produktionsstrukturen, Arbeits- und Einkommensunsicherheit tragen nicht nur zu 
einer erhöhten Arbeitsintensität und einem steigenden Zeitdruck bei, sondern auch zu mehr 
Verantwortung auf allen Fach- und Managementebenen, sowie zu einer geringeren Planbarkeit des 
Alltags. All das sind psychische Belastungen, die in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen werden. 
Dem Anforderungs-Kontroll-Modell zufolge entstehen Stresserfahrungen am Arbeitsplatz, wenn eine 
Arbeitssituation von hohen physischen und psychischen Anforderungen geprägt ist (insbesondere 
Zeitdruck, Hektik und widersprüchliche Arbeitsanforderungen) und gleichzeitig ein geringer 
Spielraum für Kontroll- und Einflusschancen besteht. In chronischer Form können solche 
Stresserfahrungen langfristig das Risiko (stressassoziierter) Erkrankungen erhöhen, und zwar 
aufgrund des dauerhaften Aktivierungszustandes und der Unfähigkeit, angemessene 
Entspannungsreaktionen, die sich normalerweise nach Kontrollausübung bzw. erfolgreicher 
Meisterung der Anforderungen einstellen, zu erleben.  
Psychische Arbeitsbelastungen und Gesundheitsprobleme im europäischen Vergleich 
Österreich liegt was den Anteil der Personen mit arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen anbelangt 
etwa im EU-15-Durchschnitt. Jedoch liegt Österreich in den drei wichtigsten Komponenten der 
Gesundheitsprobleme, nämlich Rückenbeschwerden, Muskelbeschwerden und Stress, stets etwas 
über dem EU-Schnitt. Arbeitsbedingter Stress ist in Österreich weit verbreitet: 22,3 % der 
unselbstständig Beschäftigten zwischen 15 und 64 leiden unter arbeitsbedingtem Stress (EU-15: 
19.9 %). Rückenbeschwerden haben 24% (gegenüber 20,5% in der EU) und Muskelbeschwerden 
haben weitere 19,8% (gegenüber 18,8% in der EU). (European Working Conditions Survey 2005)
        

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