Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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4 Ökonomische Bedeutung arbeitsbedingter psychischer 
Belastungen und Kosteneinschätzung 
Gesundheitliche Probleme sind nicht nur mit hohem menschlichem Leid und mit direkt und indirekt 
anfallenden Kosten im Sozialsystem verbunden. Die im Abschnitt 3 eingehend durchgeführten 
Analysen der psychischen aber auch physischen Belastungsfaktoren in Österreich (und im 
europäischen Vergleich) und deren Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der unselbständig 
Beschäftigten in Österreich werden nun einen Schritt weiterentwickelt. Nach der persönlichen 
Dimension der Erkrankung bzw. der individuellen Lebenssituation im Umgang mit psychischen 
Belastungen stehen im vorliegenden Abschnitt die ökonomischen Auswirkungen der belastenden 
Beschäftigungsverhältnisse im Mittelpunkt der Analyse. Grundsätzliche gibt es - neben den bisher 
diskutierten individuellen Auswirkungen - zahlreiche Rückwirkungen der 
Arbeitsplatzbelastungsfaktoren auf das betriebliche und überbetriebliche wirtschaftliche Geschehen:  
Gesundheitliche Einschränkungen schlagen sich auch auf die Produktivität und Beschäftigungsfähigkeit 
der betroffenen Personen und somit auf deren beruflichen Perspektiven und Chancen am 
Arbeitsmarkt, sowie auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Arbeit gebenden 
Unternehmen nieder. Gesundheitsprobleme verursachen direkt oder indirekte Kosten im 
Gesundheitssystem (durch Krankheitsbehandlung etc.), in der Arbeitslosenversicherung (Häufigkeit 
von Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit Krankheit, Vermittlungsfähigkeit im Zusammenhang mit 
Krankheit, etc.), in der Pensionsversicherung (durch krankheitsbedingte Erwerbsbeendigungen etc.). 
Es stellt sich - vor allem in einer ökonomischen Perspektive - die Frage, inwiefern eine Quantifizierung 
der Folgen von Belastungen auf das Wirtschaftsgeschehen möglich ist. Die zahlreichen Wirkungskanäle 
zwischen psychischen Arbeitsplatzbelastungen – Erkrankungen – und ökonomische Auswirkungen 
können nachfolgend nur insoweit analysiert werden, als dass die vorhandenen Datengrundlagen eine 
direkte oder indirekte Quantifizierung zulassen.  
Grundsätzliche kommen als Untersuchungsvariablen für eine Messung der wirtschaftlichen Folgen von 
gesundheitlichen Belastungen eine breite Palette von Indikatoren in Frage. Für eine solche 
Untersuchung eignen sich z. B. krankheitsbedingte Fehlzeiten, Arbeitsunfälle und Invalidität, aber 
prinzipiell auch Produktivitäts- und Profitabilitätskennzahlen von Unternehmen. Belastbare Ergebnisse 
zu den tatsächlichen Folgekosten von Belastungsfaktoren sind allerdings nur von einer 
Längsschnittstudie zu erwarten, die es ermöglichen würde, den Effekt eines Belastungsfaktors (im 
Idealfall unter Berücksichtigung sowohl der Intensität der Belastung als auch der Expositionsdauer) auf 
die gewünschten Zielvariablen zu isolieren. Wie bereits in Abschnitt 3 diskutiert, stehen in Österreich 
in diesem Bereich keine Längsschnittsdaten zur Verfügung. Auch hier stellen die verwendeten 
Querschnittsdaten – wie im Abschnitt 4.1 - eine Momentaufnahme der Situation für unselbständig 
Beschäftigte dar. 
Aufgrund der einschränkenden Datengrundlagen sind nachfolgend die ökonomischen Auswirkungen 
der Arbeitsplatzbelastungen von drei Blickwinkeln her beleuchtet: Der erste Blick auf die 
wirtschaftlichen Auswirkungen wird im Kapitel 4.1 gemacht. Hier wird der Versuch unternommen, aus 
den Mikrozensusdaten Anhaltspunkte für die Einschätzung der ökonomischen Bedeutung 
arbeitsbedingter psychischer und psychosozialer Belastungen abzuleiten. Nach der Skizzierung des 
allgemeinen Krankenstandsgeschehens wird deren Bedeutung anhand berechneter Ausfallstage 
wegen arbeitsbedingter Beschwerden, Krankenstände und Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit 
Belastungsfaktoren konkretisiert. Die zweite Perspektive eines Zusammenhangs wird in Abschnitt 4.2
        

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