Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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4.3.1 Internationale Erkenntnisse zu den makro-ökonomischen Kosten von 
arbeitsplatzbezogenen psychischen Krankheiten  
Internationale Studien legen nahe, dass zwischen 50% und 60 % der krankheitsbedingten 
Arbeitsausfälle in der einen oder anderen Form auf Arbeitsstress zurückzuführen sind (vgl. Cox/Rial-
Gonzalez 2002; Cox et al. 2000). Etwa 28 % der Arbeitskräfte in der EU sind mit Stress in der 
Arbeitswelt konfrontiert, knapp hinter den 30 %, die unter Muskel-Skelettbelastungen leiden. Diese 
Belastungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität des Einzelnen sondern beeinträchtigen auch 
die Arbeitsleistung und Arbeitsproduktivität. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten, die sich daraus 
ergeben, belaufen sich je nach Schätzungen auf 1,5 % bis 4 % des BIP, je nachdem ob neben den 
direkten medizinischen und betrieblichen Kosten auch noch eine Bewertung des Verlusts an 
Wertschöpfung und der Einschränkung der Produktivität vorgenommen wird. Wenn darüber hinaus 
auch noch die verstärkte Fluktuation, Gerichts- und Versicherungskosten, die Kosten des 
Drogenkonsums und der Gewalt infolge von Stress in die Kalkulationen Eingang finden, kann der Wert 
auf 10 % des BIP ansteigen, so etwa für das Vereinigte Königreich bei Cooper et al. (1996). Diese große 
Bandbreite der Schätzwerte weist darauf hin, dass es schwierig ist, alle Kostenkomponenten 
konsistent zu erfassen. Weiters kommen verschiedene Berechnungsmethoden zur Anwendung, was 
die internationale Vergleichbarkeit der makro-ökonomischen Kostenschätzungen erschwert. 
Eine Studie zu den Kosten des Stresses in der Schweiz (Ramaciotti/Perriard 2003) weist nach, dass der 
Anteil der ArbeitnehmerInnen, die unter Stress in der Arbeitswelt leiden, zwischen den 
Erhebungsterminen im Jahr 1984, 1991 und 1998/2000 zugenommen hat. Im Jahr 2000 sagten 27 % 
der ArbeitnehmerInnen, dass sie oft gestresst sind, weitere 56 % manchmal und nur 17 % sagten, dass 
sie in der Arbeit nie gestresst sind. Der Anteil der Personen, die ihren Stress schlecht bis gar nicht 
bewältigen können, betraf 12 % der Stichprobe. Überdurchschnittlich schwer tun sich dabei 
Jugendliche und Frauen. Die Stressbelastung ist nicht auf alle Bildungsgruppen gleich verteilt sondern 
bipolar, d.h. sie ist bei Menschen mit einfachem Bildungsgrad sowie bei AkademikerInnen stärker 
ausgeprägt als unter Personen im mittleren und höheren Qualifikationssegment. Jedoch sind 
AkademikerInnen eher in der Lage mit dem Stress umzugehen. Von Mobbing waren 8 % der Befragten 
betroffen, von der Gefahr des Arbeitsplatzverlustes 19 % und von deutlichen Lohneinbußen 12 %. 
Als Stressquellen werden mehrere Faktoren der Arbeitsumwelt identifiziert, die einerseits in der 
Tätigkeit selbst liegen können, in unklar definierten Aufgaben, in dem Arbeitsbeziehungsumfeld und in 
geringen Karriere- bzw. Entwicklungsperspektiven, andererseits in der Erschwernis der Kombination 
von Beruf und Familie bzw. Freizeit. Neue Formen der Arbeitsorganisation (Abflachung der Hierarchien 
und laterale Vernetzung, Bedarfsorientierung und Qualitätssicherung verbunden mit laufender 
Mitarbeiterbewertung) können den Stress in der Arbeitswelt verstärken, ebenso der zunehmende 
Zeitdruck und die Arbeitszeitflexibilisierung, die familiäre und sonstige Beziehungsrhythmen 
verändern bzw. beeinträchtigen, sowie Arbeitsplatzunsicherheit und prekäre Arbeitsverhältnisse. 
Stress kann zu Krankheiten führen, er kann aber auch ‚nur’ die Lebensqualität und Arbeitsproduktivität 
beeinträchtigen. In dem Zusammenhang kommt dem Präsentismus eine besondere Rolle zu, bei der 
eine Arbeitskraft zwar anwesend ist, aber nicht mehr die volle Arbeitsleistung erbringen kann. 
Die Studie schätzt die Behandlungskosten ergänzt um die Kosten von Produktionsausfällen infolge von 
Stress in der Arbeitswelt im Jahr 2000 auf 4 Mrd. Schweizer Franken oder 1,2 % des BIP. 
Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass nur etwa ein Viertel der Gesamtkosten auf die 
Personengruppe entfallen, die besonders gestresst sind und damit nicht fertig werden. Der wesentlich
        

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