Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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Kollegen zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen, Kosten für Neuaufnahmen/Ersatzkräfte und 
Anlernkosten, Früh- und Erwerbsunfähigkeitspensionen, erhöhte Unfallgefahr, eventuell 
arbeitsgerichtliche Verfahrenskosten, Konflikte mit Arbeitskollegen und schlechtes Betriebsklima, 
Widerstand gegenüber Veränderungen im Arbeitsprozess. Aus diesem Überblick zeigt sich, dass 
Fehlzeiten nicht die einzigen Kosten sind, die zu berücksichtigen sind. Insbesondere Präsentismus 
erhält zunehmend Aufmerksamkeit in der Literatur (vgl. Steinke/Badura 2011). Genauere Analysen zur 
Wirkungsweise von gesundheitlich beeinträchtigten Beschäftigten, die trotz Krankheit am Arbeitsplatz 
anwesend sind zeigten, dass die Leistungsfähigkeit bis zu einem Drittel reduziert sein kann, messbar 
etwa an einer größeren Fehleranfälligkeit und geringerem Output (vgl. Loeppke et al. 2009). 
Internationalen Berechnungen zeigen übereinstimmend, dass die Kosten des Präsentismus die Kosten 
des Absentismus übertreffen. (vgl. Steinke/Badura 2011: 78ff) Die Studien zeigen auch, dass der 
Produktivitätsverlust im Fall von psychisch kranken und gestressten Personen höher ist als unter 
anderen nicht ganz gesunden Arbeitskräften, die aber keinen psychischen Arbeitsbelastungen 
ausgesetzt sind. Besonders auffällig ist der Unterschied zu Personen, die unter Depressionen leiden 
(vgl. Holsboer 2011). 
Jüngste Daten für Deutschland (Brenscheidt et al. 2010) zeigen, dass bei Männern und Frauen die 
häufigste Ursache für Arbeitsausfälle Krankheiten des Muskel-Skelettsystems und des Bindegewebes 
sind (26,3 % aller ausgefallenen Arbeitstage bei Männern und 22,2 % bei Frauen). An zweiter Stelle 
liegen bei Männern Verletzungen und Vergiftungen (17 % aller Arbeitsunfähigkeitstage), und bei 
Frauen psychische und Verhaltensstörungen (12,1 % aller Arbeitsunfähigkeitstage). Die 
volkswirtschaftlichen Kosten des krankheitsbedingten Arbeitsausfalls, ohne medizinische Kosten, 
liegen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge im Jahr 2008 allein bei 
1,3 Mio. ausgefallenen Erwerbsjahren. Der damit verbundene Produktionsausfall (gemessen an den 
Lohnkosten) liegt bei 43 Mrd. € oder 1,7 % des BIP. Einer anderen Rechnungsweise zufolge, in der die 
1,3 Mio. ausgefallenen Erwerbsjahre mit der durchschnittlichen entgangenen Wertschöpfung 
multipliziert werden, steigt der Kostenfaktor auf 78 Mrd. € oder 3,1 % des BIP. Der so berechnete 
Kostenfaktor ergibt für die Diagnosegruppe der Krankheiten des Muskel-Skelettsystems und des 
Bindegewebes ein Viertel und der psychischen Krankheiten 9 % der Gesamtkosten für arbeitsbedingte 
Krankheiten der Erwerbspersonen oder 0,8 % respektive 0,3 % des BIP. (vgl. BAuA 2010) In diese 
Berechnungen sind also nur die Kosten des Absentismus für den Betrieb einbezogen worden, nicht 
jedoch die Kosten des Präsentismus, die etwas höher als die des Absentismus sind, und auch nicht die 
Kosten für die medizinische Versorgung und sonstige in der Gesamtwirtschaft anfallende Kosten. Die 
dürften noch einmal soviel Geld kosten, wie eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und 
Arbeitsmedizin (zitiert nach WHO 2006: 58) aufzeigt. Der Studie zufolge haben ArbeitnehmerInnen, 
die an Depressionen leiden, zwischen 1,5 und 3,2 Krankentage mehr pro Jahr und büßen etwa 20 % 
ihrer Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz ein. 
4.3.2 Erkenntnisse aus Österreich zu den Kosten von arbeitsplatzbezogenen 
psychischen Krankheiten 
Österreich kann nicht auf so umfassende Datenanalysen und Forschungserkenntnisse verweisen wie 
Deutschland, die Schweiz und andere entwickelte Industrieländer. Die Daten, die der Forschung zur 
Verfügung stehen, nämlich der Mikrozensus und die Sozialversicherungsdaten des Hauptverbands der 
Sozialversicherungsträger, können die multifaktorielle und multidimensionale Beschaffenheit von 
(psychischen) Gesundheitsproblemen nur ansatzweise abbilden. Es lässt sich deshalb nicht sagen, in 
welchem Ausmaß psychische Leiden allein auf Belastungen auf dem Arbeitsplatz zurückzuführen sind.
        

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