Title:
Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen
Creator:
Biffl, Gudrun Wikipedia Faustmann, Anna Wikipedia Gabriel, Doris Wikipedia Leoni, Thomas Wikipedia Mayrhuber, Christine Wikipedia Rückert, Eva Wikipedia
PURL document:
urn:nbn:at:at-akw:g-70066
PURL:
https://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/resolver?urn=urn:nbn:at:at-akw:g-70210
Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
- 1 -  
Einleitung 
Physische und psychische Belastungen am Arbeitsplatz resultieren nicht nur in betrieblichen 
Fehlzeiten mit den damit verbundenen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, 
sondern sie verringern auch die Lebensqualit�t des Einzelnen. Das �sterreichische Institut f�r 
Wirtschaftsforschung (WIFO) hat sich in seiner Studie �Arbeitsbedingte Erkrankungen � Sch�tzung der 
gesamtwirtschaftlichen Kosten� aus dem Jahr 2008 und �Arbeitsplatzbelastungen, arbeitsbedingte 
Krankheiten und Invalidit�t� aus dem Jahr 2009 (beide im Auftrag der Kammer f�r Arbeiter und 
Angestellte f�r Wien) auf die Analyse der physischen Belastungen, ihre Wirkungsmechanismen und die 
Sch�tzung der volkswirtschaftlichen Kosten konzentriert. Die Analyse der psychischen Belastungen 
wurde ausgespart, nicht zuletzt weil es wenige Daten gibt, die in der Lage w�ren, die 
Wirkungsmechanismen vom Ursprung einer psychischen Belastung bis zu einer Erkrankung 
nachzuvollziehen und in der Folge einer �konomischen Analyse zu unterziehen. In der Folge 
konzentrieren wir uns hier auf die Forschungserkenntnisse anderer Disziplinen, etwa der Psychologie 
und der Arbeitsmedizin, um Zusammenh�nge zwischen Arbeitsbedingungen und dem psychischen 
Wohlbefinden darzustellen. 
Die Herausforderungen f�r Untersuchungen der Wirkungsweisen psychischer sowie psycho-sozialer 
Belastungen liegen einerseits darin, dass sie sich nicht nur in psychischen Krankheitsbildern �u�ern 
sondern auch in einer Vielzahl von anderen Erkrankungen. In der Folge entfallen etwa im Jahr 2008 
laut Krankenstandsstatistik (Statistik Austria, Hauptverband der �sterreichischen 
Sozialversicherungstr�ger) nur 1,9 % aller Krankenstandsf�lle auf psychische Krankheiten. Gleichzeitig 
meinen aber 37,6 % der unselbstst�ndig Besch�ftigten zwischen 15 und 64 Jahren, dass die Arbeit ihre 
Gesundheit beeintr�chtigt, und dass Stress ein Krankheitsausl�ser ist (Biffl/Leoni 2008; European 
Survey on Working Conditions 2000). Wenn psychische Belastungen als Ausl�ser f�r physische 
Gesundheitsprobleme genannt werden (sogenannte psychosomatische Erkrankungen) ist eine genaue 
Diagnose und Ursache-Wirkungsanalyse nicht m�glich. Es zeigt sich aber, dass die Dauer der jeweiligen 
Krankheit l�nger als im Schnitt ist wenn zus�tzlich Psychopharmaka verabreicht werden, d.h. wenn 
psychische Belastungen eine weitere Dimension der Krankheit darstellen (Fuezi 2009).  
Diese Tatsache erh�lt noch mehr Gewicht, wenn man bedenkt, dass Krankenstandsf�lle bei  
psychischen Erkrankungen �u�erst lange sind: Durchschnittlich betrug die Dauer eines Krankenstandes 
bei psychischer Krankheit im Jahr 2006 31,4 Tage. Noch l�ngere Krankenst�nde waren mit 
Krebserkrankungen oder anderen schweren Krankheiten wie Herzerkrankungen verbunden (vgl. 
Leoni/Mahringer 2008). 
Psychische und psychosomatische Probleme sind stark multifaktoriell verursacht und k�nnen nur zu 
einem bestimmten Grad auf die Arbeitsbedingungen zur�ckgef�hrt werden. Neben 
t�tigkeitsbezogenen und sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz tragen auch pers�nliche Merkmale 
und individuelle Verhaltensmuster zum Entstehen von psychischen und psychosomatischen 
Problemen bei (vgl. Fritz 2006; BAK 2009). Dar�ber hinaus k�nnen sich unterschiedliche Faktoren 
gegenseitig beeinflussen und best�rken. Daraus wird die Komplexit�t von psychischen und 
psychosomatischen Erkrankungen und ihren Ursachen ersichtlich.  
Im Allgemeinen besteht kein klarer Konsens hinsichtlich der Determinanten von psychischer 
Gesundheit in der Arbeitswelt. Es liegt auf der Hand, dass Belastungen und Stressoren (wie z. B. Stress, 
Konflikte am Arbeitsplatz, usw.) negative gesundheitliche Folgen haben k�nnen. Andererseits hat sich
        

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