Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 140 - Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und Auswirkungen auf die Gesundheit: Theoretische Erklärungsmodelle Arbeitsbedingungen stehen in einem direkten Zusammenhang mit der individuellen Gesundheit. Ein bahnbrechendes Erklärungsmodell dazu stellt das sogenannte Anforderungs-Kontroll-Modell (nach Robert Karasek und Töres Theorell) dar. Demnach entsteht Stress mit seinen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit in Form von Herz-Kreislauf-Beschwerden, psychischen Erkrankungen oder auch Erkrankungen des Bewegungsapparats dann, wenn eine Arbeitssituation von hohen Anforderungen (wie z.B. Zeitdruck oder Hektik), zugleich aber auch von niedrigem Gestaltungsspielraum geprägt ist. Dieser Zusammenhang verstärkt sich noch weiter, wenn sozialer Rückhalt am Arbeitsplatz fehlt. Das Modell der beruflichen Gratifikationskrise nach Johannes Siegrist berücksichtigt zudem auch die persönliche Bewältigungskompetenz. Nach diesem Modell besteht dann ein negativer Einfluss auf die Gesundheit, wenn die berufliche Leistung über einen längeren Zeitraum (z.B. aufgrund einer übersteigerten Leistungsbereitschaft) nicht angemessen belohnt wird, wobei diese in Gehalt, Anerkennung oder Aufstiegsmöglichkeiten stattfinden kann. Die Frage, wie Menschen aber trotz derartiger Belastungen gesund bleiben, versucht Aaron Antonovsky in seinem Modell der Salutogenese zu beantworten. Er kommt im Wesentlichen zu dem Schluss, dass Menschen dann eher gesund bleiben, wenn sie sich mit ihrer Umwelt stark verbunden fühlen. Ein Mangel an Verbundenheit mit der Umwelt erhöht die Wahrscheinlichkeit von psychischen Erkrankungen. Arbeitsplatzbelastungen im Europäischen Vergleich Die durchgeführten Auswertungen anhand des „European Working Conditions Survey“ (EWCS), eine europäische Erhebung der Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, zeigen, dass die Arbeitsplatzbelastungen in Österreich stärker vorhanden sind als in den Vergleichsländern. In Österreich gaben 30 % der befragten unselbständig Beschäftigten zwischen 15 und 64 Jahren an, unter mindestens einer arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerde zu leiden. Mit dieser Häufigkeit liegt Österreich sehr nahe am EU15-Durchschnitt von 32 %. In Deutschland fühlten sich indessen nur 19 % der unselbständig Beschäftigten von mindestens einer arbeitsbedingten Beschwerde betroffen, während es in Dänemark 42 % waren. Die subjektive Wahrnehmung bezüglich der Auswirkungen der Arbeit auf den Gesundheitszustand wird von unbeobachteten Faktoren wie den wirtschaftlichen Umständen oder dem Gesundheitsverhalten, und durch subjektive länderspezifische Faktoren beeinflusst. Nationale Unterschiede im Gesundheitsbewusstsein, aber auch eine mannigfache Wertschätzung der Arbeit könnten Ursachen für die divergierenden subjektiven Einschätzungen sein EWCS 2005 Datensatzes zu den psychischen Belastungs- und Entlastungsfaktoren am Arbeitsplatz im Kontext des Anforderungs- Kontroll- Modells und des Modells der beruflichen Gratifikationskrise in Österreich, Deutschland, Dänemark und der EU15, deuten auf eine ungleiche Arbeitswelt in den betrachteten Ländern hin. Das österreichische Arbeitsplatzprofil ist relativ zu den beiden Vergleichsländern und der EU15, von hoher Intensität und mäßigem Kontrollspielraum gekennzeichnet. Österreichische unselbständig Beschäftigte erfahren im Vergleich zu deutschen Beschäftigten und zum EU15-Durchschnitt, jedoch mehr Anerkennung am Arbeitsplatz. Außerdem ist der wahrgenommene soziale Rückhalt am Arbeitsplatz in Österreich stärker ausgeprägt als in Deutschland oder der EU15. Dänische Beschäftigte schätzen Arbeitsplatzmerkmale durchwegs positiver ein: Sie empfinden niedrigere Anforderungen, eine höhere Eigen-Kontrolle sowie hohe Anerkennung und sozialen Rückhalt am Arbeitsplatz.

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