Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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Bei der Betrachtung der Krankheitsbilder nach Arbeitsplatzmerkmalen in der gesamten EU15 wurde 
ersichtlich, dass berufliche Anforderungen, Eigen-Kontrolle sowie Anerkennung und Rückhalt am 
Arbeitsplatz einen Einfluss auf den gesundheitlichen Zustand von Beschäftigten zu haben scheinen. 
Betrachtet man diesen Ländervergleich von Indikatoren als einen „Benchmark“ psychischer und 
psychosozialer Arbeitsplatzmerkmale, stellt sich allerdings die Frage, inwieweit sich Bestrebungen 
nach Veränderungen in den nationalen Arbeitsplatzprofilen auf das empfundene arbeitsplatzbezogene 
Gesundheitsrisiko auswirken könnten, da die aggregierte Bemessung dieser Faktoren nur sehr bedingt 
Rückschlüsse auf psychische und psychophysische Beschwerden zulässt und der Ländervergleich 
diesbezüglich noch weitläufigere Fragen aufwirft.  
Häufigkeit und Verteilung von psychischen Belastungsfaktoren  
Das Sondermodul der Arbeitskräfteerhebung zum Thema „Arbeitsunfälle und arbeitsbezogene 
Gesundheitsprobleme“ liefert Auskünfte darüber, wie die Beschäftigten in Österreich die Verbreitung 
von bestimmten Arbeitsplatzbelastungen und den Zusammenhang mit ihrer gesundheitlichen 
Situation einschätzen. Aus den Daten geht hervor, dass etwas mehr als ein Drittel der Befragten einer 
Belastung derart ausgesetzt ist, dass aus subjektiver Sicht eine Beeinträchtigung des psychischen 
Wohlbefindens resultiert bzw. resultieren kann. Gewalt bzw. Gewaltandrohung wurde von etwas 
mehr als 1 % der Beschäftigten genannt, 3,5 % gaben an, am Arbeitsplatz unter Belästigungen oder 
Mobbing zu leiden. Diese Belastungsfaktoren sind besonders auf jene Bereiche konzentriert, in denen 
personenbezogene Dienstleistungen erbracht werden. 
Am häufigsten sind in der Arbeitswelt psychische Belastungen anzutreffen, die mit den Begriffen 
„Zeitdruck“ und „Überbeanspruchung“ assoziiert werden. 30,2 % aller Unselbständigen sahen sich 
zum Zeitpunkt der Arbeitskräfteerhebung einer solchen Belastung ausgesetzt, wobei die Quote der 
belasteten Männer mit 34 % deutlich höher als jene der Frauen mit 26 % ausfiel. Dieser 
geschlechtsspezifische Unterschied in der Verteilung von Zeitdruck und Überbeanspruchung am 
Arbeitsplatz ist allerdings in erster Linie auf die hohe Konzentration der Frauen auf 
Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. Sobald das Beschäftigungsausmaß berücksichtigt wird, verliert 
der geschlechtsspezifische Unterschied in der Prävalenz dieses Belastungsfaktors weitgehend an 
Bedeutung. Wie auch eine multivariate Analyse unter Berücksichtigung der wichtigsten 
beobachtbaren persönlichen und beruflichen Merkmale zeigt, sind dagegen sowohl das Alter als auch 
das Qualifikationsprofil (der höchste abgeschlossene Schulabschluss) für die Verteilung von Zeitdruck 
bzw. Überbeanspruchung relevant. Ältere Arbeitskräfte sehen sich grundsätzlich öfter als Jüngere 
diesem Belastungsfaktor ausgesetzt. So ist das Belastungsrisiko in der Altersgruppe der 50- bis 54-
Jährigen – auch nach Berücksichtigung von Geschlecht, Beruf usw. - um 42 % (Männer) bzw. 50 % 
(Frauen) höher, als in der Referenzgruppe der 15- bis 19-Jährigen. Bei Beschäftigten mit 55 Jahren und 
mehr geht die Belastungswahrscheinlichkeit zwar wieder zurück, aber dieses Ergebnis steht unter dem 
starken Einfluss von Selektionseffekten infolge des frühzeitigen Austritts aus dem Erwerbsleben von 
Arbeitskräften mit gesundheitlichen Problemen. Auch die Qualifikation weist eine positive Korrelation 
mit der Präsenz von Zeitdruck und hoher Beanspruchung am Arbeitsplatz auf. Interessanterweise ist 
dieser Zusammenhang vor allem bei Frauen mit einem akademischen Abschluss ausgeprägt und auch 
nach Berücksichtigung von Wirtschaftssektor und Beruf ersichtlich. Die beruflichen Erfahrungswelten 
von Frauen mit einem hohen und jenen mit einem niedrigen Qualifikationsniveau dürften sich 
demnach stärker voneinander unterscheiden, als das bei Männern der Fall ist.
        

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