Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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Ordnet man die ermittelten Ausfallzeiten den Beschäftigtengruppen auf Basis ihrer 
Belastungssituation am Arbeitsplatz zu, dann ergeben sich zwischen den belasteten und den 
unbelasteten Personen signifikante Unterschiede. Beschäftigte ohne Belastungsfaktoren fielen im 
Schnitt nur 0,8 Tage aus, während auf Personen mit einem psychischen (aber keinem körperlichen) 
Belastungsfaktor 3,3 arbeitsbedingte Ausfalltage und auf Personen mit einer körperlichen Belastung 
durchschnittlich 2,6 Ausfalltage entfallen. Jene Arbeitskräfte, die sich am Arbeitsplatz sowohl einem 
körperlichen als auch einem psychischen Belastungsfaktor ausgesetzt sahen, hatten dagegen pro Kopf 
im Schnitt 5,9 Krankenstandstage. Diese Ergebnisse können auch anhand der Angaben der Befragten 
zu ihrer Anwesenheit am Arbeitsplatz im Laufe der Referenzwoche der Umfrage validiert werden. 
Insgesamt waren 2,4 % der unselbständig Beschäftigten infolge einer Erkrankung oder eines anderen 
gesundheitlichen Problems in der Referenzwoche nicht durchgehend an ihrem Arbeitsplatz. Isoliert 
man jene Beschäftigten, die im Sondermodul der Befragung keine einzige Belastung am Arbeitsplatz 
nannten, dann lag die errechnete Quote bei 1,4 %. Unter den Personen mit mindestens einem 
Belastungsfaktor lag die Quote der Arbeitskräfte mit krankheitsbedingten Fehlzeiten mehr als doppelt 
so hoch, bei 3,2 %, im Falle einer Doppelbelastung durch körperliche und psychische Belastungen 
gaben 3,6 % der Beschäftigten an, in der Referenzwoche im Krankenstand gewesen zu sein. Sowohl in 
diesem Fall als auch in der Auswertung der Ausfalltage weichen allerdings nur die Werte zwischen den 
(sowohl einfach wie doppelt) belasteten und den unbelasteten Personen statistisch signifikant 
voneinander ab. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Untergruppen mit Belastung (körperlich, 
psychisch, doppelte Belastung) sind aber im Verhältnis zu den errechneten Standardfehlern zu klein, 
wodurch keine ausreichende statistische Signifikanz gegeben ist. Aus den Daten geht dennoch 
regelmäßig ein plausibles Muster hervor, wonach die Kumulation von psychischen und körperlichen 
Belastungen besonders oft mit dem Vorhandensein von gesundheitlichen Problemen einhergeht. 
Körperliche und Psychische Belastungsfaktoren scheinen – separat betrachtet – in etwa gleich stark 
mit Krankheiten und anderen gesundheitlichen Beschwerden zu korrelieren. Hinsichtlich des 
Eintretens von Arbeitsunfällen sind dagegen körperliche Belastungsfaktoren von größerer Bedeutung, 
während psychische Arbeitsplatzbelastungen etwas in den Hintergrund treten.  
Ökonomische Wechselwirkungen psychischer Belastungsfaktoren: Heilmittelverordnungen  
Die Analyse des Medikamentenkonsums zeigte, dass von allen verordneten Heilmitteln an 
unselbständig Beschäftigte bzw. Arbeitslose im Alter zwischen 15- bis 64 Jahren rund 9 % auf 
Medikamente, die auf die psychische Gesundheit wirken entfallen. Zwischen 2005 und 2009 stieg der 
Anteil der Antidepressiva, Tranquilizer und Neuroleptika von 8,3 % auf 10 % aller Verordnungen. 
Knapp über 61 % der verordneten Psychopharmaka gehen an Frauen und knapp weniger als 39 % an 
Männer. Der Heilmittelkonsum insgesamt, wie auch der Psychopharmakakonsum steigt mit 
zunehmendem Lebensalter tendenziell an, wobei bei Psychopharmaka ab der Altersgruppe 40 bis 44 
eine deutliche Zunahme vorhanden ist. Dieser Anstieg ist bei den Heilmitteln insgesamt erst ab dem 
50. Lebensjahr gegeben.  
Das Faktum der Arbeitslosigkeit und die Dauer der Arbeitslosigkeit erhöhen den Verbrauch an 
Psychopharmaka: Über die Altersgruppen 14 bis 59 hinweg bekamen beschäftigte Frauen ohne 
Arbeitslosigkeitsphasen im Jahr 2008 im Durchschnitt 5,7 Psychopharmaka verschrieben. Der 
entsprechende Wert bei Männern betrug 5,9 Packungen. Bei einer Arbeitslosigkeit von drei Monaten 
und mehr steigen die Psychopharmakaverordnungen bei Frauen auf durchschnittlich 6,6 und bei 
Männern auf 7,7 Packungen. Männer, die im Jahr 2008 insgesamt mehr als 90 Tage arbeitslos waren, 
haben einen um ein Drittel höheren Psychopharmakaverbrauch als Männer ohne Arbeitslosenphasen.
        

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