Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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Berechnungen zeigen, dass die Kosten des Präsentismus die Kosten des Absentismus übertreffen 
(Steinke/Badura 2011). 
Berechnungen für Österreich legen nahe, dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz mit ähnlich 
hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten verbunden sind wie physische Arbeitsbelastungen. Zwar ist die 
Wahrscheinlichkeit infolge von Arbeitsstress krank zu werden, geringer als bei physischen 
Arbeitsbelastungen, jedoch ist die durchschnittliche Krankenstandsdauer erheblich höher. Zudem sind 
die Kosten des Präsentismus infolge psychischer Beschwerden erheblich. In Summe ergeben sich 
daher geschätzte gesamtwirtschaftliche Kosten der psychischen Belastungen (medizinische und 
betriebliche Kosten) für das Jahr 2009 in der Höhe von etwa 1,2 % des BIP oder 3,3 Mrd. €. 
Eine etwas vorsichtigere Schätzung bezieht sich auf die Erhebung der Ausgaben des österreichischen 
Gesundheitssystems für psychisch Kranke (HVS-SGKK 2011). Dieser Erhebung zufolge gibt Österreich 
etwa 850 Mio. € für psychisch erkrankte Menschen aus (Krankenbehandlung, Anstaltspflege und 
Krankengeld). Unter der Annahme, dass in Österreich etwa die Hälfte der Gesundheitsausgaben für 
Personen im Erwerbsalter ausgegeben werden, und unter der weiteren Annahme, dass Absentismus 
und Präsentismus zu Kosten in der Höhe von 1,5 Mrd. € führen, ergäben sich Kosten in der Höhe von 
knapp 2 Mrd. € oder 0,7 % des österreichischen BIP. 
Wirtschaftpolitische Schlussfolgerungen  
Die Kostenanalysen legen nahe, dass zwar in die Akutversorgung von psychisch belasteten und 
kranken Personen verstärkt zu investieren ist, dass allerdings angesichts der hohen Kosten des 
Präsentismus der Prävention von Stress besonderes Augenmerk zu schenken ist. Die Stressprävention 
ist auf mehreren Ebenen zu planen und umzusetzen:  
 auf der betrieblichen Ebene über eine geänderte Arbeitsorganisation, die vor allem auf eine 
alternde Belegschaft eingeht 
 auf der Förderung der Einzelnen über die Vermittlung von Methoden zur besseren 
Stressbewältigung 
 auf der institutionellen Ebene über einen gezielten Ausbau von Beratungs- und 
Betreuungseinrichtungen 
Um die Wirkungsweise von Maßnahmen sichtbar zu machen ist es allerdings notwendig, dass man sich 
auf ein Daten- und Indikatorensystem einigt, das relevante Aussagen über Krankheitsauslöser, ihre 
Prävalenz und die damit verbundenen Kosten machen kann. Studien zeigen, dass sich der Arbeitsplatz 
nicht nur dazu eignet, die Belastungen zu messen (Monitoring), sondern auch die damit verbundenen 
Formen des Gesundheitsrisikos. Erst mit der Transparenz dieser Strukturen und Mechanismen können 
Problemlösungen entwickelt und umgesetzt werden und im Anschluss auf ihre Effektivität und 
Effizienz getestet werden. 
Um die relevanten Datensystemen entwickeln zu können ist es notwendig, dass Betriebe, 
insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), eine adäquate Unterstützung seitens der 
Arbeitsmedizin erhalten, um die Gesundheitsbelastungen der Arbeit zu identifizieren und 
kosteneffiziente Verbesserungsvorschläge zu machen. Es wird aber auch notwendig sein, in der 
Lohnpolitik alle Anreizmechanismen zur Ausübung von Tätigkeiten, die die Gesundheit belasten, 
abzubauen. Das derzeitige komplexe Zulagensystem ist dazu angetan, Arbeitsstrukturen nicht rasch 
genug zu verbessern, da Menschen oft bereit sind aus einer kurzfristigen
        

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