Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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A. II Methodologische Anmerkung 
In der epidemiologischen Fachliteratur wird der Zusammenhang zwischen einem vermuteten 
Belastungsfaktor und dem Eintreten einer Erkrankung üblicherweise anhand von Odds Ratios (OR) 
oder relativen Risk Ratios (RR bzw. RRR) untersucht. Dabei handelt es sich um sehr ähnliche Konzepte, 
die in Zahlen ausdrücken sollen, wie stark der Zusammenhang zwischen einer gesundheitlichen 
Belastung und einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ist. In beiden Fällen wird versucht zu erfassen, 
um wie viel höher das Risiko einer Erkrankung in der Gruppe mit Belastungsfaktor gegenüber einer 
Gruppe ohne Belastungsfaktor ist. Trotz der Ähnlichkeiten zwischen den beiden Konzepten basieren 
OR und RR auf leicht unterschiedlichen Berechnungsmethoden und können nicht analog interpretiert 
werden. Das lässt sich am Beispiel der fiktiven epidemiologischen Daten in der nachstehenden 
Übersicht darstellen. 
 RaucherInnen NichtraucherInnen 
Lungenkrebs 15 20 
Kein Lungenkrebs 100 200 
In diesem Beispiel beträgt die RR einer Lungenkrebserkrankung für RaucherInnen 1,43. Dieser Wert 
ergibt sich aus der Inzidenz von Lungenkrebs bei den RaucherInnen [15/(15+100)=0,13] dividiert durch 
die Inzidenzrate bei den NichtraucherInnen [20/(20+200)=0,09]. Anders gesagt ist das relative Risiko 
einer Lungenkrebserkrankung bei den RaucherInnen um 43% höher als bei den NichtraucherInnen. 
Diese Formulierung entspricht ziemlich genau dem intuitiven Verständnis, das die meisten Menschen 
von der relativen Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses haben. Die OR ergibt sich dagegen aus der 
Quote der erkrankten RaucherInnen [15:100=0,15] dividiert durch die Quote der erkrankten 
NichtraucherInnen [20:200=0,1] und beträgt 1,5. Bei der OR handelt es sich um ein Quotenverhältnis 
und nicht um ein relatives Risiko im engeren Sinne. Es ist deshalb nicht ganz korrekt, diesen Wert als 
ein um 50% erhöhtes Erkrankungsrisiko zu interpretieren. Dennoch werden OR - mangels einer 
anderen, dem allgemeinen Sprachgebrauch zugänglichen Formulierung - oft als Maßzahlen für das 
relative Erkrankungsrisiko verstanden. 
In diesem numerischen Beispiel unterscheiden sich die beiden Indikatoren nur geringfügig, wodurch 
auch eine unsaubere sprachliche Interpretation nicht weiter ins Gewicht fällt. Allerdings sind OR und 
relative RR nur dann sehr ähnlich, wenn die Inzidenz der untersuchten abhängigen Variable gering ist. 
Wird ein Ereignis untersucht, das häufig eintritt, besteht bei OR eine Überschätzung des relativen 
Risikos eines Eintritts des Ereignisses (so wie es im allgemeinen Sprachgebrauch verstanden und 
verwendet wird). Man stelle sich beispielsweise zwei Gruppen von Personen vor, von denen eine 
infolge einer Belastung eine Erkrankungswahrscheinlichkeit von 50% aufweist, während die 
unbelastete Gruppe ein 25%-ige Erkrankungswahrscheinlichkeit hat. Die resultierende RR von 100% 
entspricht der intuitiven Wahrnehmung, dass das Erkrankungsrisiko der belasteten Gruppe doppelt so 
hoch wie jenes der unbelasteten ist. Die OR beträgt in diesem Fall allerdings 3 und erscheint damit “zu 
hoch”.  
RR haben demnach den Vorteil, dass sie eine Wahrscheinlichkeit ausdrücken und somit dem 
allgemeinen Verständnis einer Risikomaßzahl entsprechen. Der Vorteil von OR gegenüber RR besteht 
darin, dass sie problemlos bei allen Studiendesigns angewendet werden können und auch in einem 
multivariaten Setting, z. B. in einer logistischen Regression, leicht berechenbar sind. Berücksichtigt
        

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