Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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geprägt ist (insbesondere Zeitdruck, Hektik und widersprüchliche Arbeitsanforderungen), zugleich 
aber niedrigen Kontroll- und Einflusschancen gegenübersteht (also geringe Möglichkeiten zur 
zeitlichen, inhaltlichen und dispositionellen Selbstgestaltung oder zur Entwicklung und Nutzung 
beruflicher Kompetenz), dann entstehen Stresserfahrungen am Arbeitsplatz. In chronischer Form 
können solche Stresserfahrungen langfristig das Risiko (stressassoziierter) Erkrankungen erhöhen, und 
zwar aufgrund des dauerhaften Aktivierungszustandes und der Unfähigkeit, angemessene 
Entspannungsreaktionen, die sich normalerweise nach Kontrollausübung bzw. erfolgreicher 
Meisterung der Anforderungen einstellen, zu erleben (vgl. Peter 2002: 388; Fritz 2006: 47f; Siegrist 
2004: 13; Siegrist/Dragano 2008: 306; Siegrist/Theorell 2008: 101). Stresstheoretisch hat die 
Dimension „Kontrolle“ des Anforderungs-Kontroll-Modells eine herausragende Bedeutung innerhalb 
der arbeitspsychologischen Theorien (vgl. Siegrist/Dragano 2008: 306). 
Abbildung 2.1: Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek und Theorell 
Low-strain Active
High-strainPassive
LOW
HIGH
LOW HIGH
Physiological Demands
Decision
Latitud
(c trol)
Risk of
Psychological Strain
and Physical Illness
Learning
Motivation to
Develop
New Behaviour
Patterns
 
Q: Karasek/Theorell 1990: 32. 
Obige Abbildung 2.1 stellt das Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek und Theorell dar, wobei 
sich in diesem Modell vier mögliche Arbeitssituationen kategorisiert nach den Dimensionen 
‚Entscheidungsspielraum‘ und ‚psychische Anforderungen‘ ergeben. Wie bereits erwähnt handelt es 
sich um Arbeitsprofile mit einem geringen Maß an Entscheidungs- und Kontrollchancen, die sich 
negativ auf die Gesundheit der arbeitenden Menschen auswirken, denn sie begrenzen die 
Lernchancen und Entwicklungsanreize der arbeitenden Personen und führen zum Erleben von 
Monotonie (vgl. Siegrist/Dragano 2008: 306). Ein niedriges Kontrollausmaß kann sich einerseits als 
Mangel an Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeitsaufgaben äußern, andererseits als eingeschränkte 
Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu nutzen, wie etwa bei repetitiven und monotonen Tätigkeiten. 
Sind Berufe mit geringer Entscheidungsmacht auch mit geringen psychischen Anforderungen 
verbunden, so ist auch der negative Effekt auf die Gesundheit relativ gering (vgl. Siegrist/Theorell 
2008: 102). Einen starken negativen Effekt auf die Gesundheitsrisiken der Beschäftigten erkennen 
Karasek und Theorell, wenn der geringe Kontrollspielraum mit hohen psychischen Anforderungen 
verbunden ist. Es handelt sich dabei um die sogenannten ‚high-strain jobs‘, die ungünstigste 
Reaktionen auf psychische Belastung wie Ermüdung, Angstzustände, Depressionen oder physische 
Erkrankungen verursachen (vgl. Karasek/Theorell 1990: 31ff). 
Die beiden Arbeitsprofile mit großem Kontroll- und Entscheidungsspielraum wirken sich auf die 
Gesundheitsrisiken eher positiv aus. Einerseits werden von Karasek und Theorell ‚low-strain jobs‘
        

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