Full text: Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen

Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen  
 
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Merkmale der arbeitenden Person ausgeklammert. Aus diesem Grund wird das Anforderungs-
Kontroll-Modell auch als „Black-box“-Ansatz bezeichnet. Zudem bleiben auch gesellschaftliche 
Rahmenbedingungen der Erwerbsarbeit und die damit verbundenen Belastungen wie zunehmende 
Prekarisierung und Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse unberücksichtigt (vgl. Peter 2002: 389; 
Siegrist/Dragano 2008: 309). 
Das Anforderungs-Kontroll-Modell wurde um eine Modellkomponente erweitert, nämlich das Ausmaß 
an sozialem Rückhalt am Arbeitsplatz (Abbildung 2.2). Nach Karasek und Theorell (1990: 70f) ist an 
Arbeitsplätzen, die durch hohe Anforderungen sowie niedrige Kontrollmöglichkeiten einerseits und 
fehlenden sozialen Rückhalt bzw. soziale Isolation andererseits gekennzeichnet sind (sogenannte ‚iso-
strain jobs‘), die psychosoziale Belastung am höchsten (vgl. Siegrist/Theorell 2008: 102). 
Abbildung 2.2: Erweitertes Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek und Theorell 
 
Q: Karasek/Theorell 1990: 70. 
2.2 Modell der beruflichen Gratifikationskrise nach Siegrist 
Wie schon erwähnt, vernachlässigt das Anforderungs-Kontroll-Modell wichtige psychosoziale 
Belastungsfaktoren in einem beruflichen Kontext. Aus einer kritischen Auseinandersetzung mit den 
Grenzen des Anforderungs-Kontroll-Modells entstand das Modell der beruflichen Gratifikationskrise, 
welches Mitte der 1990er Jahre von Johannes Siegrist und seiner Arbeitsgruppe entwickelt wurde. 
Dieses Modell versucht, den Schwächen des Anforderungs-Kontroll-Modells – nämlich der 
Vernachlässigung persönlicher Bewältigungskompetenzen sowie arbeitsmarktbedingter Faktoren – 
Rechnung zu tragen (vgl. Peter 2002: 389; Siegrist/Dragano 2008: 307f; Siegrist 2004: 14). Somit 
berücksichtigt und unterscheidet das Modell beruflicher Gratifikationskrisen im Gegensatz zum 
Anforderungs-Kontroll-Modell eine extrinsische, situative und eine intrinsische Komponente des 
Belastungsgeschehens: Die situative Komponente beschreibt die belastenden Anforderungen und 
Verpflichtungen, während sich die intrinsische Komponente auf das persönliche 
Bewältigungsverhalten bezieht (vgl. Dragano et.al. 2003: 197; Peter 2002: 390).
        

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