Full text: Verteilen statt verspielen

111 Thomas Kreiml / Dwora Stein Gebt der Bildung eine Chance! Bildung und Verteilungsgerechtigkeit in Österreich Das Recht auf Bildung und das Ziel der Gleichheit Bildung begleitet uns von Kindesbeinen an, und zwar in unterschiedlichen Formen. Im Sinne des mühevollen Lernens wird Bildung beispielsweise nicht immer von jeder oder jedem besonders geschätzt. Andererseits „lernt man nie aus“. Erzielte Lernerfolge bringen uns weiter, erfüllen uns mit Stolz und werden auch belohnt. Bildung wird heute immer wieder als wertvolle Ressource beschworen. So vielschichtig Bildung ist, so intensiv und kontrovers werden die Diskussionen um Gestaltung und Organisation des Bildungssys- tems seit jeher geführt. Bildung allgemein und insbesondere auch ihre Verteilung in der Gesellschaft sind umkämpft. Nichtsdestotrotz ist es auch immer wieder gelungen, Einigkeit über prinzipielle Fragen der Bildung zu erzielen. So ist zum Beispiel das „Recht auf Bildung“ ein Menschenrecht gemäß Art. 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948. Als Menschenrecht steht Bildung demnach jedem Menschen in gleichem Maße zu.1 Die Idee der Bildung, wie sie sich hier bis heute entwickelt hat bzw. auch immer wieder erkämpft wurde, trägt damit die Idee der Gleichheit in sich. Hinter dieser Idee steht das übergeordnete Ziel der Gewährleistung bestmöglicher Chancen auf beste Bildung für alle Gesellschaftsmitglieder. Dass Bildung diesem Ziel der Chancengleich- heit Rechnung tragen muss, ist auch in einem anderen gesellschaftlichen Grundsatzdoku- ment festgeschrieben, nämlich in § 14 Z 5a B-VG der österreichischen Bundesverfassung: „Demokratie, Humanität, Solidarität, Friede und Gerechtigkeit sowie Offenheit und Toleranz gegenüber den Menschen sind Grundwerte der Schule, auf deren Grundlage sie der gesamten Bevölkerung, unabhängig von Herkunft, sozialer Lage und finanziellem Hintergrund, unter steter Sicherung und Weiterentwicklung bestmöglicher Qualität ein höchstmögliches Bildungsniveau sichert.“ Allerdings sind schon mit dem Begriff der „Gleichheit“ Kontroversen um Bildung und ihre Ziele verbunden. Zwar widerspricht das menschenrechtliche Verständnis von Gleichheit keineswegs der vielfältigen Entwicklung individueller Unterschiede, als Bil- 1 „Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Des Weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Art. 2. http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html am 02.08.2012)

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