Full text: Finanzmärkte und Rohstoffpreise (121)

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DER EINFLUSS DER FINANZMÄRKTE AUF ROHSTOFFPREISE
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1. EINLEITUNG 
Seit Beginn des Jahrtausends kam es zu einem eklatanten Anstieg des Handels mit 
Rohstoffderivaten und zu auffälligen Preisspitzen bei wichtigen Rohstoffen wie z.B. 
Getreide und Rohöl. Ob es sich dabei um eine zufällige Koinzidenz handelt oder ob ein 
systematischer Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen besteht, und wie dieser 
Zusammenhang gegebenenfalls aussieht, ist eine der zentralen ungeklärten Fragen in den 
aktuellen politischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen. 
Konkret geht es den AutorInnen darum, festzustellen, ob die gesteigerte Aktivität von 
Finanzmarkt Akteurinnen im Rohstoffhandel etwa für die 2008er Preishausse und die 
Preissteigerungen bei Rohstoffen, wie Öl und Getreide (zumindest teilweise) verantwortlich 
war. 
Die gestiegene Finanzmarktaktivität zeigte sich etwa im Anstieg der gehandelten Volumina 
an Rohstoffderivativen auf dem amerikanischen Markt, die sich laut Commodity Futures 
Trading Commission (CFTC) von 2003 bis 2007 verzehnfacht haben. 
Für Veränderungen der Angebots und Nachfragebedingungen auf dem Markt für physische 
Rohstoffen sprachen 2008 etwa die Hamsterkäufe der nordafrikanischen Regierungen bei 
Weizen, die Auseinandersetzungen in Nordafrika und das sinkende Brent-Vorkommen bei 
Öl, sowie die steigende chinesische Nachfrage nach Kupfer. 
Um zu einer schlüssigen Argumentation jenseits anekdotischer Evidenz zu kommen, gilt es 
also eine theoretische Argumentation aufzubauen, die den Zusammenhang von Termin- und 
Spotmärkten schlüssig erklärt, sowie empirisch den Einfluss der Finanzspekulation vom 
Einfluss anderer fundamentaler Änderungen im Rohstoffangebot und der Rohstoffnachfrage 
zu isolieren. 
                                                 
1 Die AutorInnen danken ihren Kollegen in der Abteilung Wirtschaftspolitik und Wirtschaftwissenschaft der AK Wien, sowie den 
TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen des Kongresses „Momentum 2011“ insbesondere Kollegen Kapeller, für viele Diskussionen und 
Anregungen. Kai Biehl verdanken wir viele inhaltliche wie sprachliche Verbesserungen, Thomas Zotter und Helmut Elsinger verdanken 
wir wertvolle Erläuterungen und Diskussionen in Finanzmarktfragen. Alle verbliebenen Unvollkommenheiten und Fehler sind 
ausschließliche Verantwortung der AutorInnen, Die Hier dargestellte Analyse stellt die Meinung der Autorinnen dar und muss mit der 
Ansicht der AK nicht übereinstimmen.
        

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