Volltext: Die Verteilung von Vermögen in Österreich

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Argumente für  Vermögens steuern
Schenkungen oder Erbschaften wer-
den in Österreich dagegen nur gering-
fügig oder gar nicht steuerlich belastet 
– hier befindet sich Österreich unter 
den Schlusslichtern der Europäischen 
Union. So ist in kaum einem anderen 
EU-Mitgliedsstaat der Beitrag von leis-
tungslosem Einkommen zum Steuer-
aufkommen so niedrig wie in Österreich 
(Platz 24 von 27). Im EU-Schnitt machen 
vermögensbezogene Steuern 6,6% des 
gesamten Steuerauf kommens aus, in 
Österreich sind es hingegen nur 2,3% 
(Eurostat 2012). Durch Maßnahmen 
wie die Bankenabgabe hat der An-
teil vermögensbezogener Steuern in 
 Österreich zwar etwas zugenommen, 
es ist aber abzusehen, dass Österreich 
bei der Vermögensbesteuerung weiter-
hin deutlich unter dem europäischen 
Durchschnitt liegen wird.
Mythos: Schnüffelsteuer
Niemand hat ein Interesse daran, dass 
Finanzbeamte alle Haushalte dieses 
Landes besuchen, um Hausrat und 
persönliche Gebrauchsgegenstände zu 
bewerten. Daher werden diese in der 
Regel von der Besteuerung ausgenom-
men. Das war etwa bei der in Österreich 
bis 1993 existierenden Vermögens-
steuer der Fall und gilt auch in ande-
ren Ländern, die eine funktionierende 
Vermögenssteuer haben, wie zum Bei-
spiel in der Schweiz. Dort wird von den 
Steuerpflichtigen zu einem jährlichen 
Stichtag der Bruttovermögensstand 
angegeben. Aufgrund der periodischen 
Informationen sind die Steuerbehörden 
damit in der Lage, deren Plausibilität zu 
überprüfen. Wie dies heute schon etwa 
bei der Einkommenssteuer der Fall ist, 
reicht es damit aus, stichprobenartig 
vertiefende Prüfungen durchzuführen. 
Die Ermittlung der Bemessungsgrund-
lage für Vermögenssteuern und die 
 Einhebung der Steuer ist somit ohne 
hohen Verwaltungsaufwand möglich.
ARGUMENTE FÜR 
 VERMÖGENS STEUERN
1. Steuergerechtigkeit 
Bei der Verteilung der Finanzie-rungslasten für öffentliche Auf-gaben gilt das Leistungsfähig-
keitsprinzip: Steuerpflichtige mit der 
gleichen Leistungsfähigkeit sollen auch 
gleich hoch besteuert werden (horizon-
tale Steuergerechtigkeit). Steuerpflichti-
ge mit ungleicher Leistungsfähigkeit 
müssen auch unterschiedlich besteuert 
werden (vertikale Steuergerechtigkeit). 
Kurz: Jede Person soll entsprechend der 
individuellen Leistungsfähigkeit Steuern 
zahlen. Dieses Prinzip gilt unabhängig 
von der Größe des Staatssektors, denn 
es kommt auf die Verteilung der Steuer-
last, die die staatlichen Leistungen finan-
ziert, an.
Vermögen ist, wie Einkommen, ein In-
dikator für die wirtschaftliche Fähig-
keit Steuern zu zahlen. Gründe dafür 
sind etwa, dass Vermögende leichter 
und günstiger Kredite erhalten können, 
oder dass sie am Arbeitsmarkt eine vor-
teilhafte Verhandlungsposition besitzen 
(Vereinigung der schweizerischen Steuer 
behörden, 2010). Diese Leistungsfähig-
keit bezieht sich selbstverständlich auf 
das Nettovermögen, also auf das Ge-
samtvermögen abzüglich Schulden.
In der Schweiz wird die 
Vermögenssteuer ohne 
hohen Verwaltungsauf­
wand eingehoben.
        

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