Full text: Die Verteilung von Vermögen in Österreich

wien.arbeiterkammer.at D I E  V E R T E I L U N G  V O N  V E R M Ö G E N  I N  Ö S T E R R E I C H   |   2 5
Argumente für  Vermögens steuern
In Österreich wird Vermögensbesitz 
nicht entsprechend der Leistungsfä-
higkeit besteuert – eine Verletzung der 
horizontalen und vertikalen Steuerge-
rechtigkeit. Vermögende tragen daher 
in Österreich nur einen sehr geringen 
Teil zur Finanzierung öffentlicher Güter 
und Dienstleistungen bei. So machten 
vermögensbezogene Steuern 2010 im 
OECD-Durchschnitt 1,8% des Brutto-
inlandsproduktes aus, während es in 
Österreich nur 0,5% waren2 (siehe Gra-
fik 9). Österreich liegt damit am 24. Platz 
von 27 OECD-Ländern. Auch jüngste 
Maßnahmen wie etwa die Banken-
abgabe werden diese Schieflage nicht 
berichtigen.
2. Leistungsgerechtigkeit und 
Chancengleichheit
Leistungsgerechtigkeit verlangt, dass 
Einkommen und Vermögen der (indi-
2 Die unterschiedlichen Werte zu den Eurostat-
Daten ergeben sich daraus, dass die OECD eine 
unterschiedliche Definition von vermögensbezo-
genen Steuern verwendet.
viduellen) Leistung entsprechen. Die 
Verteilung der Steuerlast steht aber in 
Österreich der Leistungsgerechtigkeit 
entgegen. So wird Einkommen aus 
Arbeit, das unmittelbar mit einer Leis-
tung verbunden ist, hoch besteuert. 
Leistungsferne und leistungslose Ein-
kommen werden kaum oder gar nicht 
besteuert. Dies gilt insbesondere für 
Schenkungen und Erbschaften, denen 
überhaupt keine Leistung der/des Be-
günstigten gegenübersteht, aber auch 
für Einkommen aus großem Vermö-
gensbesitz.
Diese ungerechtfertigte steuerliche 
Ungleichbehandlung führt auch dazu, 
dass die Chancengleichheit in Öster-
reich stark beschnitten ist. Wollen wir es 
als Gesellschaft wirklich denen, die sich 
ein Vermögen zu erarbeiten versuchen, 
schwer machen, damit wir diejenigen, 
die bereits eines haben, auf Wolken 
betten?
Denn es ist kaum möglich, durch Leis-
tung in diesen kleinen Kreis von Perso-
nen, die bereits ein großes Vermögen 
Grafik 9: Vermögens­
steuern in % des  
BIP, 2010
 
* 2009
Quelle: OECD
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