Full text: Volkswirtschaftliche Effekte der Liberalisierung des Eisenbahnpersonenverkehrs in Österreich (50)

Volkswirtschaftliche Effekte der Liberalisierung des Eisenbahnpersonenverkehrs 
28 Arbeiterkammer Wien 
 Selbst eine im Auftrag der britischen Regierung verfasste Studie stellt dem System Bahn keine 
gute Note aus und veranschaulicht zudem die Kostenexplosion nach der Privatisierung und 
Liberalisierung. 
 Das prioritäre Ziel der Privatisierung und Liberalisierung (nämlich Verbesserung von Preis-
Leistungs-Verhältnis und Kosten-Leistungs-Verhältnis) wurde folglich verfehlt. Die britischen 
SteuerzahlerInnen müssen sowohl für den privatisierten Bahnsektor als auch für die Fahrkarten 
weit mehr bezahlen als zu Zeiten der staatlichen British Rail. 
6.2 Fallstudie: Schweden 
Schwedens regulatorische Änderungen im Eisenbahnsektor begannen 1988 mit der vertikalen 
Trennung von Infrastruktur und Betrieb. Während die schwedische Staatsbahn Statens Järnvägar 
(SJ) fortan als Eisenbahnverkehrsunternehmen lediglich den Betrieb durchführt, ist die neu 
gegründete Behörde Banverket (jetzt: Trafikverket) für die Infrastruktur zuständig. Die schwedische 
Regierung erhoffte sich durch die Marktöffnung eine Effizienzsteigerung, höhere Servicequalität für 
die PassagierInnen sowie eine Senkung der Gesamtkosten des Systems Bahn (Alexandersson et al 
2012, S. 18). 
Liberalisierung und Dezentralisierung 
Die Gesetzesreformen von 1988 sahen die Dezentralisierung vor, durch die es zu einer klaren 
Trennung der Kompetenzen zwischen Provinzen und Nationalstaat kam. Die Provinzen sind seitdem 
für den Nah- und Regionalverkehr und der Nationalstaat für den Fernverkehr zuständig. 
Auf nationaler Ebene ist die Behörde Rikstrafiken (seit 2011 Teil der Transportbehörde Trafikverket) 
Auftraggeberin für den gesamten Fernverkehr. Ihre Aufgaben sind die Gestaltung des Fernverkehrs, 
die Ausschreibung des nicht eigenwirtschaftlichen Verkehrs (Bahn, Schiff und Flugverkehr) sowie 
die Auftragsvergabe. 
Auf regionaler Ebene sind die Country Public Transport Authorities (CPTA) die Auftraggeber. Ihre 
Aufgaben sind das Evaluieren von lokalen und regionalen Verkehrsbedürfnissen im Interesse der 
EinwohnerInnen, die Ausschreibung des kompletten Schienenpersonennahverkehrs sowie die 
Vertragskontrolle. Zusätzlich zu diesen Aufgaben stellen die CPTA den 
Eisenbahnverkehrsunternehmen auch Rollmaterial zur Verfügung. 
Zusammenfassend kann gesagt werden: Der Staat (in Form der Behörde Trafikverket) bestellt und 
bezahlt überregionale und Fernverkehrsleistungen, während die CPTA die regionalen 
Verkehrsleistungen bestellen und finanzieren. Zudem arbeiten die Transportbehörde sowie die 
CPTA untereinander eng zusammen um größere Netze zu bilden und ein höheres Maß an 
Koordination zu bieten. 
Open Access 
Die schwedische Regierung schaffte ab 1993 die Möglichkeit auch den interregionalen Verkehr 
auszuschreiben. 2012 setzte die Regierung den vorerst letzten Schritt und führte ein Open-Access-
Modell ein. Das bedeutet, dass der Markt für den SPV vollständig für den Wettbewerb geöffnet ist. 
Jedes Eisenbahnunternehmen hat das Recht im regionalen, interregionalen und im Fernverkehr 
Trassen zu beantragen und Verkehre durchzuführen. Die Auftraggeber (CPTA und Trafikverket) 
haben keine Möglichkeit solche Initiativen zu verhindern. Bereits heute kommt es beispielsweise im
        

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