Full text: Volkswirtschaftliche Effekte der Liberalisierung des Eisenbahnpersonenverkehrs in Österreich (50)

Das System Bahn in Österreich 
Verkehr und Infrastruktur 53 
30 Minuten Verspätung 
pro Woche 
60 Minuten Verspätung 
pro Woche 
90 Minuten Verspätung 
pro Woche 
70 Mio. Euro 140 Mio. Euro 210 Mio. Euro 
Quelle: Schätzung anhand der KNA laut Boardman et al 2011, S.420. 
Boardman et al setzen dabei den Schattenpreis einer Reisestunde mit der Hälfte des durchschnittlichen Stundenlohns 
an. 
Tabelle 7-6: Geschätzte jährliche Kosten für die österreichische Volkswirtschaft durch 
Zugverspätungen 
Die ÖBB sind laut eigenen Angaben derzeit mit einem Pünktlichkeitswert im gesamten 
Personenverkehr von 96,5 Prozent die pünktlichste Bahn in der EU und die zweitpünktlichste in 
Europa (nur die Schweizerischen Bundesbahnen sind, ebenfalls eigenen Angaben zufolge, noch 
pünktlicher). Die Pünktlichkeit im Personenverkehr konnte dabei 2011 noch signifikant gesteigert 
werden: Während im Fernverkehr mit einer Steigerung von über elf Prozent eine Pünktlichkeit von 
87 Prozent erreicht werden konnte, waren im Nahverkehr 97 Prozent aller Züge pünktlich. 
Unfälle und Sicherheit 
Während in Großbritannien das Experiment der Infrastrukturprivatisierung nach drei 
schwerwiegenden Unfällen kostspielig beendet werden musste, ist die Eisenbahn in Österreich das 
sicherste Verkehrsmittel: Das Risiko einer Verletzung ist 64-mal geringer als bei einer Pkw-Fahrt. 
Die Zahl der Schienenunfälle sinkt trotz mehr Verkehr auf der Schiene seit 1991 kontinuierlich. Die 
Zahl der Entgleisungen ist seit 1991 von 50 auf zwölf pro 100 Mio. Zugkilometer gesunken. Auch die 
Zahl der Arbeitsunfälle ist laut Arbeitsinspektorat zwischen 2001 und 2010 um 23 Prozent 
gesunken28. 
Manche KritikerInnen befürchten, dass die Liberalisierung auch zu geringerer Sicherheit führen 
könnte, da es abgesehen von dem britischen Beispiel hierfür aber wenig Belege gibt, wurde dies in 
der vorliegender Studie bewusst nicht angenommen und daher keine Effekte daraus geschätzt. 
7.3 Schlussfolgerungen für das vierte Eisenbahnpaket 
Ziel der CO2-Reduktion wichtig ... 
Das europäische Verkehrssystem ist in seiner heutigen Form langfristig nicht nachhaltig. Angesichts 
der Prognosen zum Wachstum der Verkehrsleistungen in der EU bis 2050 wird deutlich, dass sich 
der Verkehr nicht auf dem bisherigen Pfad weiterentwickeln kann. Bleibt alles beim Alten, wird unser 
Verkehrssystem 2050 weiterhin zu rund 90 Prozent vom Öl abhängig sein und die CO2-Emissionen 
werden um ein Drittel höher ausfallen als noch 1990. Die EU erkannte diese Gefahr und formulierte 
2011 im „Weißbuch Verkehr“ nicht nur konkrete Ziele zur Verlagerung der Verkehrsleistung von der 
Straße auf die Schiene, sondern berücksichtigte erstmals auch die externen Kosten, die durch 
Lärmbelastung und Luftverschmutzung des Verkehrs entstehen. 
... aber im vierten Eisenbahnpaket nicht prioritär 
                                                     
28  http://www.bmvit.gv.at/presse/aktuell/nvm/2012/1219OTS0126.html, 27.5.2013
        

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