Full text: Also, ich würde das zu einer verpflichtenden Schulveranstaltung machen, wenn ich könnte!

„Also, ich würde das zu einer verpflichtenden Schulveranstaltung machen, wenn ich könnte!“ Seite 12 
Die Bewerbungstrainings von Arbeitswelt und Schule 
3.2 Das Bewerbungstraining außerhalb der Schule 
Von den befragten Lehrerinnen wird unterstrichen, dass ein Aspekt des Erfolges 
des Bewerbungstrainings der Ortswechsel und die externen TrainerInnen sind. 
Die SchülerInnen schätzen das nicht als ein „Hauptsache kein Unterricht“ ein, 
sondern nehmen es tw. sogar ernster als den Unterricht in der Schule von den 
(bekannten) LehrerInnen. Die Lehrerinnen berichten von großer Wertschätzung 
der SchülerInnen gegenüber den Trainings und den TrainerInnen – die 
Auseinandersetzung mit fremden Personen hebt den Wert. Für den Bereich KMS 
führt dazu die befragte Lehrerin aus, dass in dieser Schulform LehrerInnen schon 
lange nur mehr teilweise Fachvermittlung durchführen können, in einem Ausmaß 
von rd. zwei Drittel seien sie „Mütter, Erzieher, Ersatzväter wenn es sein muss, 
Sozial-, Drogen-, Sexualberater, Jugendamt. Und das geht alles über den 
Emotionalbereich nicht Sachbereich“.  
Aufgrund dieser größeren Distanz wird auch die Information einer fremden 
Person von den SchülerInnen wesentlich höher bewertet und hat mehr 
Wahrheitsgehalt. LehrerInnen können sich im Unterricht vielleicht verstellen und 
„böse spielen“, aber die reale Begegnung und Auseinandersetzung mit neuen, 
fremden Erwachsenen ist etwas völlig Anderes, hat höhere Authentizität und darf 
in der Wichtigkeit nicht unterschätzt werden. 
Die KMS-Lehrerin berichtet auch, dass das Training bereits im Vorfeld großen 
Eindruck auf die SchülerInnen gemacht hat. Den Lebenslauf mussten die 
SchülerInnen vorab alleine erstellen bzw. sich die notwendigen Informationen 
besorgen, wie so etwas aussieht. Weiters hat sie die SchülerInnen aufgestachelt, 
sich auch die Situation „Bewerbung“ zu überlegen, also z.B. was sie anziehen 
werden. Die SchülerInnen haben diesen Vormittag tatsächlich auch sehr ernst 
genommen – die Lehrerin gibt zu, auch selbst erstaunt und beeindruckt gewesen 
zu sein, mit welcher Aufmerksamkeit und Konzentration die SchülerInnen 
teilgenommen haben. „Sie waren mittendrinnen und sie waren den ganzen Tag 
mittendrinnen.“ Der Verweis auf die eigene Zukunft der SchülerInnen, ihre 
zukünftige Berufstätigkeit und damit ihr Einkommen – „Es geht um dein Geld.“ – 
haben zusätzlich motiviert. 
Kein nachhaltiger negativer Eindruck entsteht nach Ansicht der befragten 
LehrerInnen, wenn aus Zeitmangel nicht alle SchülerInnen tatsächlich zum 
Rollenspiel „Vorstellungsgespräch“ gekommen sind. Vermutet wird auch, dass 
teilweise darüber Erleichterung herrschte, aber bei den SchülerInnen doch das 
Bewusstsein geweckt werden konnte, das eine solche Situation auf sie 
zukommen wird. 
SORA Institute for Social Research and Analysis
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.